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Verkäuferporträt: Alex Bender

Jul 25, 2017

von Valerie Rains

Etsy.com handmade and vintage goods

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ „Nichts riskiert, nichts verdient.“ „Das Glück ist mit dem Tapferen.“ Klar, diese Redewendungen mögen ziemlich kitschig sein, aber eins ist sicher: Der einzige Weg, um rauszufinden, wie etwas sein könnte – wie unglaublich toll oder, ja auch, wie spektakulär daneben – ist, es einfach auszuprobieren. Am besten fragst du dazu Alex Bender, eine talentierte Berliner Designerin, die das gleichnamige Lederwarenlabel betreibt.

2011 arbeitete Alex noch Teilzeit als Schneiderin und nähte exklusive Brautkleider. An ihren freien Tagen arbeitete sie an ihren eigenen farbenfrohen Laderhandtaschen. Unterbezahlt, überarbeitet und abhängig von einem unfreundlichen Chef, gelangte sie schließlich an einen Wendepunkt: „Ich beschloss: Okay, ich kann kündigen und es wenigstens versuchen, von meinen Taschen zu leben“, erinnert sie sich. Obwohl die ersten Verkäufe eher schleppend waren, reichte Alex ihre Kündigung und widmete sich voll und ganz ihrem Unternehmen.

Das Risiko zahlte sich aus: „Das Lustige war, sobald ich gekündigt hatte und meine ganze Energie in mein eigenes Projekt steckte, lief es von Anfang an“, erzählt sie. „Das war für mich ziemlich befriedigend. Auch nach sechs Jahren läuft es noch sehr gut.“

Im Interview erfährst du, wie Alex sich immer wieder ins Nähen ver- und entliebte und was ihr absoluter Bestseller ist. Und – vergiss nicht – dir ihre Kollektion anzuschauen. 

Wie hast du nähen gelernt?

Ich war schon immer kreativ. Als ich klein war, malte und zeichnete ich unheimlich gern – ich träumte schon früh davon, Künstlerin zu werden. Aber nach dem Abi war ich mir nicht mehr so sicher, was ich machen wollte. Meine Mutter zeigte mir einen Zeitungsausschnitt über eine Firma, die Schneiderinnen suchte. Also verließ ich mein Zuhause, um auf dem Land eine Schneiderlehre zu machen.

Es war eine sehr große Firma. Und es war ziemlich frustrierend dort das Nähen zu lernen. Nach zwei wirklich schmerzlichen Jahren entschied ich mich für die kreativere Seite der Branche. Also schrieb ich mich an der Uni für Modedesign ein.

Und wie bist du dann zu Taschen gekommen?

Nach der Uni zog ich nach Australien und arbeitete dort für ein Jahr bei einem kleinen Modelabel – und verbesserte mein Englisch. Das war der erste Schritt für mich, meine eigene Linie weltweit zu verkaufen. Auch wenn mir das damals noch gar nicht klar war.

Zurück in Deutschland stoß ich zufällig in Nürnberg auf einen Laden mit wunderschönen handgefertigten Ledertaschen. Schon im Studium hatte es mir Leder besonders angetan. Und wie viele Mädchen liebte ich Taschen. Ich wollte einfach alles über das Arbeiten mit Leder wissen, also betrat ich den Laden und fragte den Besitzer, ob ich bei ihm für ein paar Monate ein Praktikum machen könne. Dort habe ich meine erste Ledertasche genäht und eine neue Liebe zum Nähen entdeckt, die ich noch gar nicht kannte.

Wie hat sich deine Linie mit der Zeit entwickelt?

Als ich anfing, hatte ich nicht vor alle sechs Monate eine neue Kollektion zu machen. Ich entwickelte nur ab und zu eine neue Tasche. Mittlerweile entwerfe ich zwei Kollektionen im Jahr. Ich versuche immer Produkte, die nicht laufen, durch neue zu ersetzen. Aber wenn Entwürfe gut laufen, dürfen sie auch länger bleiben.

Was ist das bekannteste Produkt in deinem Shop und wie ist es dazu gekommen?

Der absolute Bestseller letztes Jahr war die kleine Gürteltasche in schwarz. Ich biete viele verschiedene Farben an, aber jede zweite Bestellung ist eine schwarze Tasche. Ich glaube, dass es einfacher ist, etwas Schwarzes online zu bestellen. Auch die Saddle Bag verkauft sich sehr gut – ich fertige sie aus bordeauxfarbenem und cognacfarbenem Leder und beide verkaufen sich gleich gut.

Welche Rolle spielt Farbe in deiner Linie?

Farben sind in den Kollektionen und für den Gesamtlook des Shops immer sehr wichtig. Ich versuche alles saisonal zu wechseln – im Winter sind die Farben etwas dunkler als im Sommer – aber Schwarz istimmer dabei.

Ich mag meine aktuelle Farbpalette sehr. Ich muss aber auch zugeben, dass ich einfach Pastellfarben liebe. Salbeigrün ist eine meiner Lieblingsfarben und zarte Pinktöne auch. Und das Gelb – ich mag einfach alle Farben!

Wo lässt du dich inspirieren?

Berlin ist sehr inspirierend. Ich lebe jetzt seit über 10 Jahren in der Stadt und es hat sich super viel getan. Berlin ist viel internationaler geworden. Ich liebe es, durch die Straßen zu laufen und mir die Taschen anderer Leute anzuschauen. Die Stadt ist einfach voller interessanter Menschen. Man kann toll beobachten, was sie so tragen und wie sie mit ihren Taschen umgehen.

Wie siehst du die Beziehung zwischen Form und Funktion in Bezug auf deine Taschen?

Eine Tasche ist erst einmal ein äußerst funktionales Produkt. Einige Styles sehen zwar nett aus, funktionieren aber nicht. Es ist sehr wichtig, dass eine Tasche nicht zu schwer ist und dass sie lange hält. Meine kleinen Modelle haben keine Innenfutter aus Baumwolle, da das das erste ist, was kaputt geht oder dreckig wird. Also benutze ich lieber nur Leder. Oft ist es schwer im Inneren einer Tasche etwas wiederzufinden. Deshalb haben meine größeren Taschen immer eine Öse für Schlüssel und eine Reißverschlusstasche fürs Handy.

Für mich muss das Design sehr minimal sein. Ich mag es nicht, wenn Dinge überdesignt sind. Ich finde, minimalistisches Design und Funktion arbeiten sehr gut zusammen. Ein Tasche braucht einfach nicht zu viele Dinge. Für mich ist das die natürliche Art zu entwerfen. Und die Produkte bleiben dadurch zeitlos und modern.

Du hattest gerade deinen 2000. Verkauf auf Etsy. Wie hast du das gefeiert?

Ich habe alleine gefeiert (ich bin ganz schlecht darin, spezielle Sachen zu feiern). Aber es hat mich auf jeden Fall sehr stolz gemacht. Ich bin einfach total dankbar, dass ich mit dem, was ich liebe, meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Und ich fühle, dass ich auch Andere mit meinen Produkten glücklich mache, und das macht mich dann auch glücklich.

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Fotos von Alex Bender.

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