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Um die Ecke: schœner.wærs.wenns.schœner.wær

Sep 9, 2010

von maikitten

Letzte Woche bin ich zum Moritzplatz geradelt, da ich mit Sylke und Nicole von schœner.wærs.wenns.schœner.wær auf ein Pläuschchen verabredet war. Kaum hatte ich den Conceptstore für nachhaltiges Design betreten, wanderte mein Blick von einem schönen Objekt zum nächsten. Das Sortiment umfasst ökofaire Möbel, Wohnaccessoires, Spielwaren, Kindersachen, Papierwaren, Schreibwaren und Taschen. Zu allen Produkten erhält man bei »S.W.W.S.W.« Informationen zu den nachhaltigen Aspekten wie Herstellungsort, Material oder Fertigungsmethode. Über was ich mit den beiden sympathischen Ladeninhaberinnen geplaudert habe, sollt Ihr natürlich auch erfahren.
Viel Spaß beim Lesen!

Erzählt uns doch zu Beginn bitte ein wenig von Euch.
Wir – Sylke Rademacher und Nicole Bednarzyk – sind beide Produktdesignerinnen und haben zusammen an der UdK in Berlin studiert. Nach dem gemeinsam absolvierten Diplom haben wir uns erstmal karrieremäßig getrennt, jeder hat so seins gemacht, wir haben beide jeweils ein Kind bekommen und uns dann wieder zusammengefunden und gesagt: „So, wir machen jetzt mal was Sinnvolles und arbeiten in unserem Beruf als Designer.“ Anfang 2009 starteten wir unseren Blog, auf dem wir über alles Mögliche rund um die Bereiche nachhaltige Gestaltung und verantwortungsvolles Design berichteten. Weil wir aber fanden, dass es etwas zum Anfassen und Sehen brauchte um die Idee vom ökofairen Design überhaupt zu verstehen, haben wir diesen Laden geöffnet.
Als Designer ist man auch dafür verantwortlich, was für einen Lebenszyklus ein Produkt hat. Wie es hergestellt wird und aus welchen Materialien es ist. Wir wollen andere, ökofaire Alternativen und Wege aufzeigen. In unserem Laden versuchen wir unterschiedlichste Ansätze von nachhaltigem Design zu präsentieren.

Wofür steht S.W.W.S.W.?
Auf der einen Seite gibt es viele Produkte, die ökologisch und fair sind, aber nicht schön. Es wäre also schöner, wenn diese schöner wären. Neben dem ästhetischen Anspruch verkörpert S.W.W.S.W. aber auch den Weltverbesserungsgedanken: Schöner wär’s, wenn ganz viel schöner und besser wäre.

Die Ladeninhaberinnen Nicole und Sylke

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Eurem Leben aus?
Einen typischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht. Der Tag fängt meistens mit Mails lesen und beantworten an, alles schnell zu erledigende wird abgearbeitet. Wenn der Laden offen ist, muss ja auch immer eine von uns vorne sein und die andere kann dann teilweise hinten arbeiten. Eintreffende Ware und Lieferscheine müssen kontrolliert werden, Bestellungen gemacht werden, die Buchhaltung, Postkarten und Tüten stempeln – also alles, was den Laden betrifft.
Wir entwickeln aber auch selber Produkte, arbeiten an unserem Onlineshop, der noch in diesem Jahr online gehen soll, kümmern uns um Pressearbeit und schreiben Beiträge für unseren Blog. Das alles passiert in unterschiedlichen Zeit-Dosierungen, immer nach Priorität gestaffelt.

Was war für Euch der schwierigste Aspekt daran selbstständig zu sein?
Es war sehr schwierig, den richtigen Ort für unseren Laden zu finden. Eine Kombination von Gegebenheiten, bei der man denkt: „OK, hier passt es und es ist was möglich. Es passt es zu unserer Idee und zu uns. Hier wollen wir arbeiten. “ Wo gibt es eine Atmosphäre, dass man sagt, da passiert was. Am Moritzplatz begeistert uns der Kontakt zu Modulor und zu den Entwicklungen, die hier stattfinden. Die Vorrecherche war sehr umfangreich und auch jetzt muss man immer auf dem Laufenden bleiben und sich relativ viel informieren zum Thema. Das war sehr zeitaufwändig und brauchte viel Vorlauf, was zu dem ganzen Gründungskram dazu kam.
Von der eigentlichen Idee bis zum Öffnen der Ladentür sind knapp 1 ½ Jahre vergangen. Wir haben eine ziemlich komplexe Idee von dem, was wir sind und wollen, wofür S.W.W.S.W. steht. Es ist nicht nur ein Laden, es ist ein Ort, es ist eine Idee, es ist eine kreative Arbeit und ein Netzwerk. Da kann man natürlich auch ewig planen. Und da irgendwann mal den Punkt zu finden, an dem man sagt „Jetzt setzt man es um in die Realität“, das ist schon schwierig

Was ist der schönste Aspekt?
Bei unseren Veranstaltungen ist uns der direkte Kontakt zu den Leuten wichtig, sie zu informieren, mit ihnen zu reden. Es ist schön, wenn Leute in unseren Laden kommen und es ihnen einfach gefällt. Es gibt eine Oma, die regelmäßig kommt, ihren Kaffee trinkt und sagt: „Ach, hier ist es immer so gemütlich!“
Es ist schön, das S.W.W.S.W. es schafft, generationen- und typenübergreifend zu agieren. Und  sehr schön ist auch, sagen zu können „Ich habe etwas gewagt und getan und brauche mir mein Leben lang nicht vorwerfen: Ach, hätt‘ ich mal!“

Wenn Ihr die Zeit zurückdrehen könntet, welchen Rat würdet Ihr Euren früheren Ichs mit auf den Weg geben?
Man sollte sich eine Flexibilität bewahren, denn meistens kommt es doch anders als man denkt. Ruhig planen, aber immer einberechnen, dass Sachen anders kommen können. Es ist wichtig, den Fokus und die eigene Motivation aufrecht zu erhalten.

Was würdet Ihr anderen Kreativen raten, die einen ähnlichen beruflichen Weg einschlagen möchten? Habt Ihr vielleicht ein paar Tipps und Anregungen?
Kreative, die mit ihren eigenen Produkten Geld verdienen wollen, sollten unbedingt das Gespräch mit einem Händler suchen. Wir bekommen oft Anfragen, dass Leute ihre Sachen bei uns im Laden verkaufen möchten, aber ihre Preiskalkulation stimmt nicht. Ihr solltet mit möglichst vielen unterschiedlichen Leuten sprechen und deren Meinungen und Perspektive kennenlernen. Es ist gut mit der eigenen Familie und den Freunden anzufangen und dabei das Sprechen und Erklären zu üben. Man sollte aber auch mit jemanden reden, der überhaupt keine Ahnung von dem hat, was man macht. Auf diesem Weg lässt sich gut überprüfen, ob man ihm die eigene Idee vermitteln kann.

Habt Ihr vielleicht ein paar Marketing-Ratschläge? Wie macht Ihr auf Euren Laden aufmerksam?
Der Blog ist ein Mittel um Aufmerksamkeit zu generieren, aber für uns vor allem auch ein Ventil, wo wir alles, was wir sammeln, rauslassen können. Zum Teil berichten wir hier auch über unsere Produkte und ihre Geschichten. Unsere rote Markise ist ein echtes Marketing Produkt. Wir haben immer wieder von Leuten gehört, dass man uns von außen sehen muss. Ansonsten verteilen wir Flyer, kooperieren mit anderen Läden und es gibt einen S.W.W.S.W.-Newsletter, in dem wir zu unseren eigenen Veranstaltungen einladen. Wir haben die Veranstaltungsreihe „Design hat {soziale} Verantwortung“ ins Leben gerufen, bei der alle zwei bis drei Monate eine kleiner Event in unserem Laden stattfindet. Das kann als Marketingmittel gesehen werden, obwohl es uns eher ein Bedürfnis ist und Freude macht. Wir möchten mit anderen zusammenarbeiten und deren Arbeiten zeigen. Ende April gab es dann noch „Die stille Demonstration“, bei der wir für ein paar Minuten den Moritzplatz still gelegt hatten.

Gibt es Dinge, die Ihr Euch für die Zukunft vorgenommen habt oder ein Projekt, das Ihr gerne umsetzen würdet?
Bisher lag der Fokus vor allem darauf den Laden aufzubauen. Die Produktentwicklung ist dabei ins Hintertreffen geraten. Man braucht Zeit um sich auf die Entwicklung neuer Produkte zu konzentrieren. Das ist ein langwieriger Prozess und diese Zeit, wieder mehr kreativ zu arbeiten, haben wir im Moment leider nicht. Ein Thema für die Zukunft ist daher Produktentwicklung und die Erweiterung unserer Produktlinie. Unsere Veranstaltungsreihe möchten wir ebenfalls ausbauen und die Geschichten und Themen zu den Produkten, die es bei S.W.W.S.W. zu kaufen gibt, nach außen tragen und kommunizieren. Ein anderes Projekt wäre die Stadtentwicklung hier am Moritzplatz noch mehr ins Rollen zu bringen, zusammen mit den Prinzessinnengärten und Planet Modulor.

Gibt es noch etwas, was Ihr uns sagen möchtet?
Nachhaltigkeit wird oft zum Anlass genommen um zum Lachen in den Keller zu gehen, das ist nicht unser Ding. Sicherlich ist Nachhaltigkeit auch ein ernstes und komplexes Thema, aber Subversivität, Ironie und Humor sollten dabei nicht ausgeklammert werden, finden wir.

Lieben Dank Nicole und Sylke, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt! Ich schaue bestimmt mal wieder bei Euch vorbei und alle Nicht-Berliner können sich auf die baldige Eröffnung Eures Online-Shops freuen.


3 Kommentare

  • Sabrina hat vor 8 Jahre gesagt

    Die beiden sind klasse. Und ihr Laden auch!

  • Sylvia 877 hat vor 8 Jahre gesagt

    Ich war im Sommer dort - der Laden ist super schön. Herrlichkeiten ohne Ende! Viel Erfolg weiterhin!

  • Pilli hat vor 8 Jahre gesagt

    Bei meinem nächsten Berlinbesuch, ist auf jeden Fall ein weiterer Besuch bei den Damen angesagt- ich liebe ihren Laden! Und freue mich auf den Internetshop! Toll! LG aus Hamburg!

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