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Today I Made… an Interview.

Aug 16, 2012

von lilalina

Etsy.com handmade and vintage goods

Vier Städte, 14 lokale Maker-Communities, 20.000 geflogene Kilometer, und das alles in nur zehn Tagen: Das nennen Nick und Wolfgang von Today I Made ihre “kleine Makertour”.

Vor einigen Monaten haben sie uns das erste Mal in unserem Büro in Berlin besucht und von ihrem tollen Projekt erzählt. Die gemeinsame Tour durch Amerika haben sie gemacht, um möglichst viele Maker und Crafter zu treffen, Kontakte zu knüpfen und einmalige Eindrücke zu sammeln. Unter anderem haben sie auch die Etsy-Büros in New York und San Francisco besucht.

Im Interview geben sie uns einen kleinen Einblick, was sie in den USA erlebt haben und wie die Maker- und Crafter-Szene dort eigentlich aussieht.

Erzählt uns ein wenig von euch und Today I Made!
Today I Made ist eine Online-Plattform für Maker und Crafter, auf der sie ihre Projekte vorstellen und sich zu Neuem inspirieren lassen. Die Themen reichen von Schmuck und Accessoires über Essen und Urban Gardening bis zu Elektronik und selbstgebauten Robotern. Auf die Idee für die Plattform kamen wir, als wir wieder einmal einen so genannten Produktionstag veranstaltet hatten, unser Küchentisch voller Vorräte in Einmachgläsern stand und wir uns dachten: “Wo teilen wir eigentlich, was wir die ganze Zeit über so machen?” Eine halbe Stunde später war die Domain registriert.
Wir, das sind Nick, Wolfgang und Bernd, drei Freunde aus Hamburg, die seit Jahren Dinge bauen, craften und sich im Internet herumtreiben. Today I Made ist unser erstes eigenes Online-Projekt, nachdem jeder von uns schon lange für andere Plattformen und Startups gearbeitet hat.

Welche Orte habt ihr auf der Makertour besucht?
Wir waren in New York, Boston, Portland und San Francisco – die Epizentren der Maker-Kultur an Ost- und Westküste der USA. In jeder der Städte haben wir so viele Maker- und Hackerspaces, kreative Communitys, Startup-Meetings und -Headquarters wie möglich besucht. Die Orte und ihre ganz unterschiedlichen Atmosphären waren wahnsinnig beeindruckend – aber noch inspirierender waren die Menschen, die wir dort getroffen haben. Vom Vimeo-Gründer bis zur Hardware-Hackerin, von der Crafting-Ikone bis zum Makerspace-Globetrotter, vom Künstler bis zum Etsy-Europa-Chef – noch nie haben wir in so kurzer Zeit so viele spannende und bereichernde Gespräche geführt.

Welcher Ort hat euch am besten gefallen? Warum?
Als Makerspace hat uns am meisten 3rd Ward in Brooklyn beeindruckt – ein ehemaliges Fabrikgebäude in einem heruntergekommenen Viertel, das wunderschön ausgebaut ist und das alles bietet, was das Makerherz begehrt: Kursräume, Fotostudios, Coworking-Arbeitsplätze, große und fantastisch ausgestattete Werkstätten für Nähprojekte, Metall- und Holzbearbeitung. Und drumherum ein unglaubliches Angebot an Kursen: vom Möbelbau mit Pappkartons bis zum Surfbrett-Selbstbau. Und als ob das nicht genug wäre, richten die Betreiber gerade ein Café und Restaurant ein, das die Atmosphäre zwischen Hipness und Handwerk perfekt ergänzt. Wenn wir in Brooklyn leben würden, wären wir jeden Tag bis Mitternacht dort!

Besonders fasziniert hat uns auch das MIT Medialab in Boston: Einen halben Tag durch verschlungene Labors und Werkstätten zu wandern, in denen von der elektronischen Tinte über das zusammenfaltbare Auto bis zur Kamera, die um die Ecke sehen kann, alles erfunden wird, was in 20 Jahren unseren Alltag bestimmen wird – das war wie ein Eintauchen in die Zukunft.

3rd Ward und MIT Medialab

In San Francisco trafen wir an unserem letzten Tag Zach Klein von DIY.org. Der Vimeo-Gründer arbeitet gerade mit einem bunten Team an Filmemachern, Kreativen und Entwicklern an einer “Community for Kids who make”. In ihrem kleinen Büro im Mission District gibt es nicht nur ein eingebautes Baumhaus und eine Werkstatt, dort entstehen auch die großartigsten Pläne, wie man Kinder und Jugendliche zum Erforschen, Erfinden und Selbermachen motivieren kann. Die Beispiele und Ideen, die Zach uns dort gezeigt hat, haben uns berührt und begeistert – wir denken immer noch mit Gänsehaut daran zurück und versuchen hier in Hamburg mit eigenen Veranstaltungen an diese Vision anzuknüpfen.

Und dann gibt es da natürlich noch Etsy! In New York hatten wir das Glück, als erste Station unserer Reise die Headquarters und das welterste Esty-Lab kennenzulernen. Die entspannte und kreative Atmosphäre dort war total ansteckend, das Büro mit so viel Liebe und Selbstgemachtem gestaltet wie kein anderes, und Morgan und Matt haben uns mit so vielen guten Kontakten zu anderen Orten und Menschen versorgt, dass es der perfekte Auftakt für unsere Reise war. In San Francisco haben wir dann unseren ersten Nachmittag mit dem dortigen Etsy-Team verbracht, und bei selbst gemachtem Essen aus selbst gemachten Schalen, Limonade und local beers wurde nicht nur fleißig gezeigt, was die Community dort alles herstellt, sondern auch über Urheberrecht, Kunst und das Internet diskutiert. Diese Mischung aus Kreativität und Medienkompetenz hat uns enorm beeindruckt und war ganz typisch für die amerikanische Maker-Szene.

DIY.org und Etsy

Wie habt ihr die Szene dort im Vergleich zu der in Deutschland wahrgenommen?
Auf der einen Seite gibt es in den USA vielmehr als hier eine ungebrochene Tradition des Selbermachens. Nähen, Quilten, Töpfern und Handwerken waren dort nie uncool oder altmodisch, sondern wurde von Generation zu Generation bis heute weitergegeben und wertgeschätzt. Auf der anderen Seite waren alle Maker und Crafter, die wir getroffen haben, enorm internetaffin und wahnsinnig gut online vernetzt – sehr viel mehr, als wir das aus Deutschland kennen. Tradition und Technologie sind in den urbanen Gegenden der USA kein Widerspruch, sondern ergänzen sich auf das Wunderbarste.

Wie schätzt ihr die Entwicklung in Deutschland ein?
Weder in der Verbreitung des DIY-Gedankens noch in der Selbstverständlichkeit, mit der das Internet Teil unseres Alltags ist, sind wir in Deutschland so weit wie die USA. Das ist auch kein Wunder: Schließlich hat unsere Generation sowohl die Skepsis gegenüber dem Selbermachen als auch gegenüber der Technologie von unseren Eltern geerbt. Aber die Einstellung dazu ändert sich gerade dramatisch und sehr schnell: Was z.B. in Berlin und Hamburg allein in den letzten beiden Jahren an Orten und Veranstaltungen für Maker entstanden ist, was Magazine wie Cut und Plattformen wie Etsy an Ideen und Reichweite generieren, das zeigt, was in Deutschland möglich ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier jeder von der Makerkultur angesteckt ist.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?
In 10 Jahren haben wir es mit Today I made geschafft, Maker und Crafter auf der ganzen Welt zu vernetzen und zu neuen Ideen und Projekten zu inspirieren. Weil die Plattform dann von selbst läuft, können wir uns ganz auf das Selbermachen konzentrieren und versorgen uns aus unserem Urban Garden weitgehend selbst. Mit anderen Makern veranstalten wir regelmäßig kleine Feste für Roboter, Kunst und Kinder, und ihr alle seid immer herzlich willkommen dabei!

Alle Fotos von Today I Made.

Hier findet ihr weitere Interviews.

2 Kommentare

  • irinabalko

    Irina Balko von irinabalko hat vor 6 Jahre gesagt

    Super, habe die beiden kennengelernt. Sehr nette und interessante Menschen mit einer tollen Vision! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit todayimade! P.S. Habe dort ein paar meiner Rezepte reingestellt, falls jemand Kochinspiration braucht!

  • MamanFlamboyant

    Dana K. von jewelandwoolwool hat vor 6 Jahre gesagt

    LUV this!

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