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Nadelfilzen: Tipps und Tricks von Etsy-Experten

Jan 18, 2016

von valerierains

Etsy.com handmade and vintage goods
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Egal, ob du ein erfahrener Crafter bist, der sich nach neuen Techniken umschaut, oder ein blutiger Anfänger, der dringend nach einem passenden Ventil für sein kreatives Verlangen sucht – es gibt keine bessere Zeit als den Jahresanfang, um sich einem neuen Handwerk zu widmen. In der Serie „Von Experten lernen“ fragen wir Etsy-Verkäufer, die reichlich Erfahrung mitbringen und sehr inspirierend sind, nach ihren besten Tipps für Anfänger.

Eines haben die beliebtesten Kunst- und Handwerke gemeinsam: Sie lassen uns beim Anblick in Schockstarre verfallen, so dass wir nicht aufhören können uns zu wundern: „Wie haben die das nur gemacht?“ Nun strahlt Nadelfilzen zwar nicht ganz die gleiche eindringliche Macht wie der Rain Room aus und kann es auch nicht mit der rein physikalischen Größe des Verhüllten Reichstags aufnehmen, aber trotzdem wohnt dieser Handwerkskunst – bei der kleine Nadeln mit Widerhaken zum Verfilzen und Formen der Wollfasern benutzt werden, aus denen dann kleine, weiche Figuren (neben vielen anderen Dingen) entstehen – eine ganz eigene, große Magie inne. Den angehenden Nadelfilzer erwartet eine Welt voller kleiner Wunder, von angefertigten Haustierporträts bis hin zu großflächigen Filzmalereien.

„Filzen ist für mich wie Bildhauerei. Wenn ich an einem Tier arbeite, fühlt es sich an, als wäre es wirklich lebendig und hat eine eigene Persönlichkeit“, gesteht Marion van Zonneveld. Die Niederländerin hat sich das Filzen selbst beigebracht und eröffnete 2014 ihren Shop Artywool bei Etsy. „Die Augen zu machen ist für mich der kostbarste Moment bei einem Projekt“, fügt sie noch hinzu.

Obwohl talentierte Nadelfilzer unglaublich aufwendige und detailreiche (und gefühlvolle!) Kreationen erschaffen, ist es auch ein Handwerk, das Anfänger super schnell erlernen können. Die Materialien, die man für den Anfang braucht, kosten nicht viel und nehmen kaum Platz in Anspruch – man kann eigentlich immer und überall nadelfilzen. Alles was man braucht, sind etwas kardierte Wolle oder sogenannte „Märchenwolle“, eine Filznadel und ein dickes Schaumstoffkissen, um die Nadeln (und deinen Tisch) während des Filzens zu schützen. Der Rest ist ganz einfach: Mit kleinen, geraden Bewegungen stichst du immer wieder in die Wolle. Die Wollhaare verhakeln sich dadurch ineinander, und die Wolle bindet sich immer mehr zusammen. Das machst du so lange, bis du deine gewünschte Form hast. Einzelne Formen können zusammengefilzt werden, in dem man ein wenig mehr Wolle nimmt (und die gleiche Technik, wie oben beschrieben, anwendet). Dekorative Details können einer fertigen Form oder Figur auf gleiche Weise hinzugefügt werden. Wenn du sehen willst, wie du ein paar Stränge Märchenwolle in einen Truthahn (oder vielleicht auch in einen flauschigen Pfau) verwandeln kannst, dann schau dir mal dieses Schritt-für-Schritt-Tutorial (auf Englisch) auf dem Etsy-Blog an.
Was noch? Nadelfilzen ist ein Handwerk, das zu vielen verschiedenen Persönlichkeiten passt. Alle unsere Experten waren sich sicher, dass vor allem Geduld wichtig sei, aber darüber hinaus keine besonderen Fähigkeiten oder Talente vonnöten sind. „Diese Handwerkskunst ist großartig für spontane Menschen, die gerne improvisieren, denn sie ist intuitiv, nachsichtig und einfach zu erlernen“, meint Jamie Jennings, Mitinhaber des Materialshops Fancy Tiger Crafts aus Denver. „Sobald du die Technik beherrscht, kannst du ziemlich schnell eigene Entwürfe umsetzen.“ Teresa Perleberg stimmt ihm da zu: „Ich bringe seit Jahren einer großen Vielfalt an Schülern das Nadelfilzen bei. Darunter gibt es solche, die sehr detailverliebt sind und andere, die eher improvisieren – und auch wenn ihr Bär am Ende gar nicht wie ein Bär aussieht, haben sie trotzdem Spaß am Machen und sind glücklich, dass es dann eben ein Affe geworden ist.“ Perleberg benutzt für die Produkte in ihrem Shop Bear Creek Design, in dem sie vor allem Tierskulpturen und Filz-Sets verkauft, Wolle von Schafen, die sie auf ihrer eigenen Farm in North Dakota hält.

Such dir ein Projekt aus

Wenn du Anfänger bist, ist es am besten, du suchst dir ein Projekt aus, das aus sehr einfachen Formen besteht. Zum Glück hast du auch damit jede Menge Möglichkeiten. „Um zu verstehen, wie man mit diesem Material arbeitet, ist es gut, am Anfang einfach nur Kugeln zu formen“, rät Johana Molina. Die chilenische Künstlerin ist Autodidaktin (und beschreibt sich selbst als „hoffnungslose Träumerin“) und führt den Shop Felting Dreams. „Als Nächstes kann man dann zwei Kugeln verbinden und so immer weiter machen.“ Und was ist das beste Projekt, das man nur aus Kugeln machen kann? „Ein Schneemann ist meine Lieblingsübung für Anfänger“, erzählt die preisgekrönte Copake. Dahinter steht die New Yorker Künstlerin Jocelyn Gayle mit ihrem Etsy-Shop Petit Felts. „Die gehen wirklich super einfach, und man kann ihnen mit ein paar einfachen Handgriffen und Details erstaunlich viel Persönlichkeit einhauchen.“ (Willst du das mal ausprobieren? In Perlebergs Shop kannst du ein Anfängerset kaufen.) Aus den anfängerfreundlichen Kugeln kann man auch noch weitere Objekte machen: Mäuse, Häschen, Igel, Vögel, Eicheln und sogar kleine Rüben.
Mit einem fertigen Set kannst du das Ganze noch mehr vereinfachen. Es lässt dir aber dennoch genug Freiraum für deine Kreativität. „Sets und Kits sind großartig, da du ihnen einfach deine persönliche Note verleihen kannst. Wenn du dich lieber strikt an die Anleitung halten willst, kannst du das natürlich auch machen“, findet Marty Elkin von Fiber Thyme. Sobald du die grundlegenden Techniken gut beherrschst, kannst du dich komplexeren Formen widmen, wie zum Beispiel einem langbeinigen Rehkitz oder einem kuscheligen Kaktus im Blumentopf. Und falls du eher auf der Suche nach etwas Praktischerem bist, hast du Glück: Es gibt natürlich auch Anleitungen für ganz funktionale Objekte, wie Untersetzer und Tassenwärmer, aber auch nützliche Alltagshilfen à la Herzformen auf die zerschlissenen Ellenbogen deiner Pullis zu filzen.

Materialauswahl

Probieren geht über studieren. „Es gibt super viele, super tolle Dinge fürs Nadelfilzen, aber eigentlich brauchst du für den Anfang wirklich nur eine einzige Filznadel und einen kleinen Schaumstoffblock“, findet Jennings. „Es ist völlig unnötig gleich ein Vermögen für alle möglichen Materialien auszugeben. Das hat Zeit, bis du dir sicher bist, dass es ein Hobby ist, dem du treu bleibst.“

Mach dich mit den Nadeln bekannt. Für den Anfang brauchst du einfach nur Irgendeine – Perleberg verwendet für die meisten ihrer Arbeiten zum Beispiel eine Nadel der Größe 36 – später kann es sinnvoll sein, auch mal andere Größen oder Nadelformen auszuprobieren. Denn jede Nadel erzeugt ganz unterschiedliche Resultate. „Es gibt zum Beispiel gewundene Nadeln, Nadeln mit sternförmig angeordneten Haken und umgedrehte Nadeln (die lassen die Wollhaare mehr rausgucken). Man kann gut mit verschiedenen Nadeln experimentieren und so rausfinden, was man mit ihnen wie machen kann“, rät van Zonneveld.

Mit grober Wolle geht es schneller. „Eine etwas gröbere Wolle, wie zum Beispiel Corriedale- (Corriedale-Wolle stammt aus Neuseeland, hat einen weichen Griff und ist sehr gleichmäßig), Jakobschafs- oder Shetlandwolle, lässt sich schneller und einfacher verfilzen als feinere Garne wie Merinowolle“, verrät Jennings. „Diese groben Wollarten eigenen sich am besten für Anfänger – und sind auch noch mit die günstigsten!“

Aber am besten experimentierst du, um die Wolle zu finden, die am besten zu dir passt.
„Es gibt so viele Schafrassen und jede Wollsorte hat ganz unterschiedliche Qualitäten“, erklärt Perleberg. „Einige Züchtungen eignen sich besser zum Filzen als andere. Ich bevorzuge Romney-Wolle, da sie sehr schnell filzt und man sehr feste und stabile Formen damit machen kann. Du wirst sicher verschiedene Wollsorten ausprobieren wollen, um deine liebste zu finden.“ Egal, für welche du dich zuerst entscheidest, halte dich fern von sogenannter „Superwash-Wolle“ (auch Hercosett genannt), rät Teresa – die filzt nämlich gar nicht. Und bedenke auch, dass sich manche Wolle zwar nicht für die Grundform eignen wird, aber dafür sehr gut für kleine Details funktionieren kann. Van Zonneveld fasst zusammen: „Gröbere Wolle ist perfekt für das Innere eines gefilzten Tiers, während sich die weichere, glänzende Merinowolle sehr gut für schöne Details an der Oberfläche eignet.“

Durchforste deine Küchenschubladen. Für viele Nadelfilz-Projekte sind zum Beispiel Keksausstecher praktisch, mit denen man die Wolle ganz einfach in zweidimensionale Formen bringen kann. Möchtest du vielleicht ein Herz oder einen Stern machen? Wie sieht es mit einem Fuchs, einem Elch oder einem Corgie aus? Das bekommst du mit einem Ausstecher als Begrenzung viel schneller hin.

Anfängerfehler (und wie man sie vermeidet)

Kauf nicht sofort zu viele Materialien. „Sich gleich eine riesige Menge an Wolle und Nadeln zuzulegen – und dann womöglich auch nur eine Sorte – ist ganz sicher der falsche Weg“, meint Molina. Stattdessen, rät sie, solltest du lieber verschiedene Sorten und Arten mischen und ausprobieren, bis du deine Favoriten gefunden hast.

Achte auf deine Haltung. „Das Abbrechen der Nadel ist ein häufiger Anfängerfehler. Das kannst du verhindern, in dem du die Nadel mit drei Fingern auf der einen und dem Daumen auf der anderen Seite festhältst, genau da, wo der Schafft etwas dicker wird“, erklärt Elkin. „Dann stichst du senkrecht hoch und runter, so dass die Nadel immer im gleichen Winkel rein und raus pikst.“ Und pass auf, dass du nicht zu tief stichst! „Die Filznadel hat unten an der Spitze Widerhaken. Deshalb sind kurze, schnelle Stiche am besten. Die Nadel zu tief in die Wolle zu stecken, würde nur Zeit und Energie vergeuden“, findet Perleberg.

Finde die goldene Mitte. „Wenn man zu fest filzt, ist es schwierig noch mehr Wolle dazu zu tun oder Details anzubringen“, verrät van Zonneveld. „Aber wenn man zu locker filzt, wird das Projekt nur schwer seine Form behalten. Der richtige Weg liegt irgendwo dazwischen.“ Mit ein bisschen Übung und Routine wirst du bald merken, wann es genug ist.

Pass auf deine Fingerspitzen auf. Mit Filznadeln ist nicht zu spaßen! Gerade Anfängern passiert es immer wieder, dass sie sich blutige Fingerspitzen und Handflächen holen. Aber das muss nicht sein! „Wenn du die Wolle erstmal ganz vorsichtig und langsam an den jeweiligen Platz steckst, kannst du danach deine Finger wegnehmen und die Form, ohne festhalten, fertig filzen“, erklärt Elkin. Und du solltest auch der Versuchung widerstehen, einfach mal so in der Hand zu filzen – ohne feste Unterlage: „Ich biete in meinen Kursen Kissen an, trotzdem gibt es immer wieder Teilnehmer, die direkt in ihren Händen filzen“, erzählt Perleberg. „Mit dem Kissen ist es am Sichersten. Lege das Projekt immer auf ein Filzkissen, damit du dich nicht mit der Filznadel stichst.“

Feiere das Imperfekte – oder noch besser, betrachte es als Improvisation. „Wenn du versuchst, etwas eins zu eins zu kopieren, wird das nur in Frust enden“, rät Molina. Denk daran, dass es bei dieser Handarbeit um kreatives Ausleben und nicht um exaktes Nachmachen geht.

Nimm dir Zeit, um dich einzufinden. „Für mich sind die ersten 20 Minuten an einem Projekt die herausforderndsten“, gesteht Gayle. „Gib nicht zu schnell auf! Sobald ein Projekt Form annimmt, wird es immer leichter mit dem Filzen. Also dranbleiben!“

Zusatzaufgabe

„Sieh dich nach Workshops in Wolle- oder Handarbeitsläden um“, empfiehlt Jennings. „Oft gibt es auch im Sommer tolle Workshops bei Hoffesten, wo du gleich noch Wolle direkt vom Schäfer kaufen kannst.“
„Da nutze ich für mich das Internet und tausche mich mit anderen Filzern aus aller Welt aus. Aber am meisten lasse ich mich von der Natur zum Machen inspirieren – und mit der Zeit hilft sie mir auch dabei meine Fertigkeiten immer mehr zu verfeinern“, erzählt van Zonnevelt.

 „Es gibt einige Bücher und YouTube-Anleitungen über das Filzen von dreidimensionalen Kreaturen, aber leider nicht so viele über kreatives Landschaftsfilzen. Deshalb benutze ich Bücher über Öl- und Aquarellmalerei, die mir zeigen, wie ich Farben einsetze und wie ich Perspektiven in meinen Bildern einbaue“, verrät Elkin. „Ich habe auch etwas sehr Spaßiges entdeckt, was ich das ‚Filz-Relief‘ nenne. Damit bekomme ich eine richtige Tiefe in meine Kreationen. Bei vielen Bildern funktioniert es gut, in Schichten zu arbeiten – man beginnt mit dem Hintergrund und fügt dann nach und nach Farbe hinzu, um damit so etwas wie Ferne zu gestalten.“

„Mit den Jahren habe ich gelernt, mir Zeit zu nehmen und einfach den Entstehungsprozess zu genießen“, erzählt Perleberg. „Nadelfilzen ist eine sehr zeitaufwendige Handarbeit. Und gerade dieses genaue, langsame Arbeiten an jedem einzelnen Detail resultiert in Ergebnissen, auf die man richtig stolz sein kann.“

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Titelbild: Petit Felts
Valerie Rains ist Redakteurin bei Etsy.

4 Kommentare

  • LadyLikeXXL

    Nadine Wilms von ArtJewelryFun hat vor 3 Jahre gesagt

    Danke für diese wunderschöne Beschreibung, ich liebe die ganzen Tiere die Nadelgefilzt sind .. ich kann das leider nicht ... Ich bewundere diese Kunst total und bin immer hin und weg von den Ergebnissen (traue mich da aber selber nicht ran) Wo kann man den deinen Kurs besuchen?

  • cristinawinter

    Cristina Winter von ROTETULPE hat vor 3 Jahre gesagt

    Oh wie wunderbar dass ihr diesen Beitrag gemacht habt.Ich wollte schon immer wissen wie es geht.Danke ihr Lieben.

  • lenastross

    Lena Stross hat vor 3 Jahre gesagt

    Liebe Nadine Wilms, wir haben diesen Beitrag vom US-Blog übernommen, da er uns so gut gefallen hat, daher sind die Kurse leider in den USA. Aber viele Volkshochschulen bieten Nadelfilz-Kurse an und auch online findet man für Deutschland ein großes Angebot! Viel Glück bei der Suche!

  • FrlStephi

    Stephanie von FreuleinStephi hat vor 3 Jahre gesagt

    Wirklich sehr inspirierender Beitrag. Muss ich unbedingt mal probieren ?

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