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How-Tuesday: Weben lernen mit Tipps von Etsy-Experten

Apr 14, 2015

von valerierains

Etsy.com handmade and vintage goods

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Ob du eine erfahrene Kunsthandwerkerin bist, die mal wieder etwas Neues ausprobieren möchte, oder ein Neuankömmling auf der Suche nach dem passenden Ventil für deine kreative Energie, beim Erlernen eines neuen Handwerks gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann? In der Serie “Von Experten lernen”, fragen wir Etsy-Verkäufer, die reichlich Erfahrung und Inspiration mitbringen, nach ihren Tipps für Anfänger.

Dank der anscheinend andauernden, unbeschreiblichen Anziehungskraft der Boho-Ästhetik und der zunehmenden Popularität von dreidimensionalem Wandschmuck, sind handgemachte und gewebte Vintage-Wandbehänge so angesagt wie noch nie. Aber damit ist noch längst nicht alles zum Thema Weben gesagt, wie eine Suche bei Etsy sofort klarstellt: Da kommen Teppiche zum Vorschein, Decken, Tischwäsche und vieles mehr, und zwar in einer ganzen Bandbreite von Stilen, Techniken und Traditionen, die auf eine Geschichte von Tausenden von Jahren zurückblicken können. DIY-Möglichkeiten bieten sich ebenfalls zuhauf, sowohl in vorgefertigten Kits als auch in Anleitungen, um dir auf die Schnelle deinen eigenen Webrahmen zu bauen.

Ob du einen Flickenteppich weben möchtest, ein abgefahrenes, künstlerisches Freestyle-Stück oder einen Umhang mit anspruchsvollem Gewebe – durch alles läuft ein (nicht zwangsläufig roter) Faden: Diese Beschäftigung eignet sich nicht für Menschen, die sofort Resultate sehen wollen. “Jeder, der Geduld hat, kann weben”, sagt Weberin Rachel Gottesman aus Brooklyn, New York. Ihr Shop Heddle and Needle ist voller dekorativer Wandbehänge, die die aktuellen Trends verkörpern. “Aber vergiss nicht, dass du Reihe für Reihe ein Bild erstellst, wie ein alter Matrixdrucker. Das kann eine Weile dauern.” Aber es gibt Hoffnung für die von uns, die auch mal etwas … schräg improvisieren. “Mit dem neuen Saori-Trend – eine Art Freestyle-Weben ohne Regeln – glaube ich, dass gerade eine kreativere, flüssigere, weniger starre Persönlichkeit in der Webszene zum Vorschein kommt, die uns allen zeigt, dass im Spontanen und Unvollkommenen unvergleichliche Schönheit liegen kann”, sagt Donna Laken von LökenLoomWeaving.

Egal welcher Stil dich persönlich am Meisten anspricht, die Expertentipps, die wir zusammengestellt haben, werden sich bestimmt als nützlich erweisen.

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Lerne mit diesem exklusiven Ratgeber Weben.

Such dir ein Projekt aus

“Mit einem Webrahmen einen kleinen Wandbehang anzufertigen, ist ein guter Einstieg”, sagt Gottesman. “Ein Webrahmen ist im Prinzip nur ein Rechteck aus Holz. Also kannst du, wenn du möchtest, aus einem alten Bilderrahmen und ein paar Nägeln selbst einen herstellen, oder du kannst bei Etsy Webrahmen-Kits kaufen.” Du kannst sogar Karton benutzen. Diese Etsy-Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen eigenen Rahmen bauen kannst und anschließend einen einfachen, rechteckigen Wandbehang fertigstellen kannst.

Sobald du die Grundlagen beherrschst, kannst du dich an viele andere Anwendungen heranwagen. “Kissenbezüge, Tischläufer und -sets und persönliche Accessoires wie Taschen, Gürtel und iPad-Hüllen – all diese Dinge lassen sich aus einfachen rechteckigen Formen herstellen und sind somit perfekt für Anfänger, die nach praktischen Verwendungen für ihr Webstück suchen”, sagt die Designerin und Lehrerin Andrea Rothwell. Sie versorgt ihren Shop LoomAndSpindleAU in Melbourne, Australien, mit handgemachten Holzrahmen und Spezialwerkzeugen, die für Freestyle-Weber wie sie designt wurden. Bei PinterestYouTube und in diversen Blogs gibt es außerdem Projektideen und Anleitungen in Hülle und Fülle.

Wähle deine Materialien

Kaufe einen Rahmen oder baue selber einen. “Bei der Auswahl eines Webrahmens ist die Größe der wichtigste Faktor”, sagt Rothwell. “Ich rate neuen Kunden immer, zu überlegen welche Art von Projekt ihnen vorschwebt und welche Größe ihre fertigen Stücke haben sollen.” Und es geht nicht nur darum, was du herstellst, sondern auch wo du es herstellst. “Ein großer Rahmen ist toll wenn du hauptsächlich zu Hause arbeitest”, meint Rothwell, “aber ein kleiner Rahmen in Reisegröße könnte nützlich sein, wenn du ihn mit in die Ferien nimmst.” Bei Pinterest findest du Ideen, wie du einen Webrahmen aus alten Bilderrahmen, Eisstäbchen, Plastik-Strohhalmen, PVC-Rohren, Kupferrohren, Hula-Hoop-Reifen, Karton, Ästen und anderen Materialien bauen kannst.

Sammle Fäden. “Wenn du gerade erst anfängst, dann kaufe lieber kein schickes Garn. Das wird schnell teuer”, sagt Gottesman. “Einfacher Baumwollzwirn für die Kettfäden (die Fäden, die vertikal auf den Rahmen gespannt werden) und Acrylgarn für den Schussfaden (der horizontale Faden) sind völlig in Ordnung. Kaufe sie in deinen Lieblingsfarben und nutze deine ersten Projekte, um herauszufinden, was für Formen und Muster du gern webst. Sobald du dich an die Techniken gewöhnt hast, kannst du versuchen, mit teurerem Garn zu weben, z. B. mit Tencel oder Merinowolle.” Und vergiss die Überreste von früheren Projekten nicht, die du ohnehin schon zur Hand hast. “Ich bin der festen Überzeugung, dass Weben mit einem Webrahmen erschwinglich und zugänglich sein sollte”, sagt Rothwell. “Du brauchst eigentlich nur ein Stück Pappe zu bespannen und die Überreste deines letzten Strickprojekts zu verwenden.”

Dann kannst du die Dinge ein wenig aufmischen. “Es macht Sinn, für die Kettfäden einfaches, dickes Baumwollgarn zu benutzen solange du noch lernst. Es hält viel aus und wird nicht reißen, während du webst”, sagt Julia Astreou, die traditionelle Webtechniken mit Stickereien aus ihrer Heimat Zypern kombiniert. Dabei kommen freche, neue Kreationen zustande, für die sie auch ungewöhnliches Material wie Bambusrohr, Kupfer und Plexiglas verwendet. Beim Schussfaden darfst du dich ein bisschen austoben. “Das geht von organischen Fasern wie Sisalseil und Hanf bis hin zu etwas unkonventionelleren Materialien wie Folie, Frischhaltefolie oder Bambusrohr. Es macht viel Spaß zu sehen, welche verschiedenen Eigenschaften das jeweilige Material zum Gesamtgewebe beisteuert”, sagt Astreou. Rothwell stimmt dem zu: “Bei den Materialen kannst du kreativ werden – zieh los und sammle ein paar echte Pflanzen im Garten und experimentiere beim Weben mit verschiedenen Pflanzen- und Tierfasern.”

Und: Teste bevor du viel investierst. “Viele Etsy-Shops bieten eine große Auswahl an Garn. Wenn du vorhast, größere Mengen zu kaufen, ist es immer eine gute Idee, erst mal eine Probe zu erstehen. So kannst du das Garn anschauen und anfassen bevor du mehr davon kaufst”, sagt Astreou.

Anfängerfehler (und wie du sie vermeidest)

Mach dir ein genaues Bild vom Endprodukt. “Es ist wirklich wichtig, die Struktur eines Webstücks zu planen, bevor du anfängst”, sagt Rothwell. “Ein paar Dinge gibt es zu bedenken, bevor du loslegst: Ist der Rahmen groß genug für das Stück, das ich weben möchte? Wie wird das Webstück anfangen und aufhören? Ist genug Platz, um die Enden zu verknoten? Bearbeite ich das Stück richtig herum oder stelle ich es auf den Kopf? Wie wird das Webstück aufgehängt? Wie verberge ich die Ränder? Will ich am Anfang ein neutrales oder dekoratives Band in das Design einbauen? Wenn ich über diese Dinge nachdenke, bevor ich anfange, baue ich mir sozusagen ein Gerüst, mit dem ich arbeiten kann. Und ich habe festgestellt, dass ich ein Stück eher fertigstelle, wenn ich weiß, in welche Richtung es gehen soll.”

Aber sei bereit, zu spielen. “Anstatt dir zu früh ehrgeizige Ziele zu setzen, vergiss nicht, am Experimentieren Spaß zu haben. Du musst bedenken, dass das ein wichtiger Teil des kreativen Prozesses ist”, sagt Astreou. “Wenn ich mir ausreichend Zeit zum Experimentieren lasse, dann bin ich meistens deutlich zufriedener mit dem Endergebnis.”

Beginne mit einer guten Grundlage. “Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, als ich mit diesem Handwerk angefangen habe: Egal was passiert, achte immer darauf, dass deine Kettfäden alle die gleiche Spannung haben, bevor du mit dem Weben anfängst”, sagt Laken. “Mein Weblehrer am College hat das immer wieder betont. Und in all den Jahren, in denen ich nun schon webe, hat mir dieser Ratschlag immer geholfen. Wenn die Spannung deiner Kettfäden gleichmäßig ist, dann hast du eine gute, stabile Webstruktur. Wenn die Spannung nicht gleichmäßig ist, dann wünschst du dir beim Weben nur die ganze Zeit, du hättest die Spannung vorher richtig geregelt!”

Nimm dir Zeit. “Das Problem, das beim Weben am Häufigsten auftritt, ist, dass die Leute ungeduldig sind oder nicht bei der Sache”, sagt Astreou. “Weben ist ein langsamer Prozess, insbesondere am Anfang. Außerdem machen Anfänger oft Fehler und bemerken es erst viel später, wenn ein Teil des Gewebes wieder aufgetrennt werden und neu gewebt werden muss. Mein Rat ist: Sei geduldig und freue dich am Vorgang (auch wenn es langsam vorwärts geht)”, sagt Astreou. Und mit dir selbst solltest du auch Geduld haben. “Erwarte nicht, dass alles perfekt wird, weder jetzt gleich, noch in ein paar Monaten”, sagt Gottesman. “Wenn du anfängst, zu pingelig zu sein, dann wirst du verrückt. Hab einfach Spaß an dem Handwerk und nimm es, für das was es ist: ein Zelebrieren der Materialien.”

Zusätzliche Anerkennung

Obwohl viele unserer Experten DIY-Anleitungen auf Pinterest und YouTube als wertvolle Quellen für Inspiration und Lehrhilfen nannten, waren sich alle einig, dass nichts darüber geht, von erfahrenen Webern zu lernen. “Die Hilfe meiner lokalen Handwebergilde war einfach unbezahlbar”, sagt Rothwell. “Ich habe vor Kurzem an einem Tapisseriekurs teilgenommen, der mir wirklich dabei geholfen hat, das Wissen zu vervollständigen, das ich aus Büchern hatte. Außerdem habe ich Einblicke in traditionelle Tapisserietechniken bekommen. Und erst ihre Bibliothek!” Diese handfeste Hilfe ist noch viel wichtiger wenn du dich anschickst, deine neuen Fertigkeiten einen Schritt weiterzubringen. “Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig der Umgang mit geübten Webern ist”, sagt Astreou. “Das ist die beste Methode, um zu lernen und Fortschritte zu machen, weil Weben eine sehr technische Beschäftigung ist und Beaufsichtigung durch fortgeschrittene Weber oft notwendig ist – insbesondere, wenn man auf großen Rahmen mit zwei oder vier Schäften arbeitet.”

“Eine Sache habe ich unterwegs gelernt, die den kreativen Prozess für mich einfacher gemacht hat: Ich habe gelernt – und muss mich immer wieder selbst daran erinnern – dass alles wieder aufgetrennt werden kann”, sagt Laken. “In dem Wissen liegt eine Menge Freiheit: Egal welche Kombination aus Garn und Farben du beim Weben verwendest, du kannst deine Schritte ohne allzu große Mühe zurückverfolgen und alles entfernen, wenn es nicht recht zu passen scheint. Natürlich dauert es seine Zeit, die getane Arbeit rückgängig zu machen, aber es nicht wie in vielen anderen Kunstformen (oder im echten Leben!). Hier sind deine Fehler oder falschen Entscheidungen erst permanent wenn du das Webstück vom Rahmen trennst. Das zu wissen, erlaubt es mir, mich ein wenig zu entspannen und das eine oder andere kreative Risiko einzugehen. Das Schlimmste was passieren kann, ist, dass ich wieder genau da lande, wo ich angefangen habe, mit einem bespannten Rahmen, der darauf wartet, dass ich den ersten Faden einziehe.”

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