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How-Tuesday: Tutorial für Gin-Liebhaber

Jul 28, 2015

von Sarah Lohman

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Sarah Lohmann ist eine Feinschmeckerin, die sich historischen Köstlichkeiten verschrieben hat.  Durch die Wiederbelebung alter Rezepte stellt sie eine persönliche Verbindung mit der Vergangenheit her und lässt sich bei ihrer heutigen Kochweise inspirieren. Ihren kulinarischen Abenteuern kannst Du auf ihrem Blog Four Pounds Flour folgen. 

Tolle Nachrichten für alle Liebhaber von erfrischenden Sommerdrinks: Gin feiert ein Comeback. Und das haben wir der sogenannten Craft-Distillery-Bewegung zu verdanken. In den letzten Jahren öffneten vielerorts kleine Schnapsbrennereien und Destillerien. Einige davon widmeten sich ganz speziell dem Gin. Da Gin nicht so lange reifen muss wie Whiskey oder Rum, kann er schneller in den Verkauf gehen – ein enormer Vorteil für Spirituosen-Startups. Mittlerweile findet man regionale Gin-Kreationen mit ganz eigenen Aromen und ausgewogenen Zutaten sowohl im Handel als auch in angesagten Bars, wo sie allerlei edle Cocktails versüßen. Dem Gin wird also gerade gehörig das Image aufpoliert, seine Tage als Unterklassenschnaps sind damit endgültig gezählt.

Das Holland des frühen 17. Jahrhunderts zählt als die Wiege des Gins, wo er zunächst als Genever bekannt wurde. Ursprünglich benutzte man für seine Herstellung Wacholderbeeren, die ihm seine typische Geschmacksnote verliehen. Die Engländer fügten später Gewürze und Kräuter, wie Koriander und Zucker, hinzu. 1720 wurden in London 9,5 Millionen Liter Gin produziert. Das war umgerechnet auf die damalige Einwohnerzahl ein Verbrauch von 11,5 Liter (!) pro Einwohner. Gin wurde der Schnaps für die einfachen Leute. Er war billig, schnell hergestellt und stand fortan für den Untergang der häuslichen Idylle. Der süßliche und facettenreiche Drink schmeckte nicht nur Männern, sondern auch Frauen und Kindern, was ihm den Spitznamen „mothers folly“ (Mutters Blödheit) einbrachte.

Das ganze 19. Jahrhundert hindurch blieb Gin äußerst populär, vor allem als Zutat in alkoholischen Punschen und später dann in American Cocktails. Aber seine berühmteste Rolle spielte er Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Prohibition den Verkauf von Alkohol untersagte. Es war außerordentlich einfach sogenannten „Badewannen-Gin“ selbst herzustellen. Auf kommerziellem Weg wird Gin durch Destillierung gewonnen: der Alkohol verdampft durch ein Sieb mit Gewürzen. Man kann ihn aber auch mit einer Infusion herstellen. Jeder Alkohol, auch reiner Industrie-Alkohol, konnte zu Gin gemacht werden. Er musste einfach nur eine Weile mit stark aromatischen Gewürzen durchziehen, die jeden faulen Beigeschmack der gepanschten Schnäpse überdeckten. Diesen hausgemachten Fusel lecker zu nennen, wäre allerdings ziemlich übertrieben gewesen.

Auch heute kann man Gin sehr einfach selbst herstellen, nur wesentlich leckerer – z.B. mit einem Kit von Bootleg Botanicals aus Las Vegas. Das Kit bietet zwei verschiedene Mixturen mit unterschiedlichen Aromaprofilen: Set Nr. 6 beinhaltet Wacholderbeeren, Orangenschalen, Süßholzwurzel, Koriander, Kardamom und Zimt, während Nr. 9 aus einer schlichteren Mischung mit Wacholder, Limettenschalen, Koriander und Fenchelsamen besteht. Jedes Kit beinhaltet ein Gewürzmix, eine luftdichte Flasche und einen Metalltrichter. Letzterer kann wiederverwendet werden, wenn man z.B. bei Folgeexperimenten eigene Würzkombinationen ausprobieren will – vielleicht etwas zitroniger oder mit einer Kreation aus dem eigenen Kräutergarten.

Um Gin herzustellen, benötigst Du hochprozentigen Wodka (etwa 75‰). Du lässt ihn unverdünnt in ein Einmachglas mit der Würzmischung laufen, damit die Aromen der Gewürze sich voll entfalten können. Dann filterst Du die Gewürze wieder raus und verdünnst den Alkohol, indem Du die gleiche Menge Wasser dazugibst. Am Ende erhältst Du Gin mit 37,5‰.

Als ich die Gewürze aus dem Set Nr. 6 in den Wodka kippte, sah das Ganze aus wie ein matschfarbenes Hexengebräu. Aber es roch dafür wie Weihnachten, nicht nur nach Tannenbaum, sondern so richtig heimelig nach diesen schönsten Feiertagen des Jahres. Die fein gemahlene Würzmischung von Bootleg Botanicals Kit zieht schnell durch. In weniger als zehn Stunden wird das Gemisch zu Gin und in der Zwischenzeit kannst Du immer wieder kosten, um die Intensität der Aromen zu prüfen. Du kannst natürlich auch ganze, nicht gemahlene Gewürze verwenden. Diese müssen etwas länger ziehen, sind dafür aber leichter rauszufiltern und hinterlassen einen schönen klaren Gin. Ich habe meinen einfach für fünf Stunden stehen lassen, ihn daraufhin mithilfe des mitgelieferten Trichters und des Kaffeefilters noch mal durchgeseiht, in schöne Flaschen gegossen und mit Wasser verdünnt.

Damit das besondere Gold des Gins so richtig zur Geltung kommt, wollte ich einen Cocktail mit einer meiner historischen Lieblingszutaten mixen – mit grünem Tee. In Punschen des 19. Jahrhunderts war er eine beliebte Beigabe, der dem Ganzen eine gewisse natürliche Tiefe gab. Mit Zitronensaft und Sprudel wird daraus eine kühle, aber dennoch facettenreiche Erfrischung für den Sommer.

Gin Fizz Punch

(Inspiriert von “Sloe Gin Fizz” aus Sloppy Joes Bar, 1932)

  • 1 EL Gin
  • Kandierte Zitronenschale
  • Saft von 1 Zitrone (ca. 2 EL)
  • 1 TL Zucker (oder 2 TL einfacher Syrup)
  • Starker grüner Tee
  • Sprudelwasser

Eine Tasse grünen Tee aufgießen. Während das Wasser noch heiß ist, drei Streifen kandierte Zitronenschale und den Zucker dazutun. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Fülle ein Glas mit Eiswürfeln, füge den Gin, 1 EL Tee, Zitronensaft und Zucker dazu. Mit Sprudelwasser auffüllen, umrühren und genießen.

Viele Informationen zu diesem Post kommen aus dem Buch „Alcohol: A History“ von Rod Phillips.

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