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How-Tuesday: DIY-Marmorieren

Jun 23, 2015

von valerierains

Etsy.com handmade and vintage goods

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Egal ob du eine erfahrene Kunsthandwerkerin bist, die mal wieder etwas Neues ausprobieren möchte oder ein Neuankömmling auf der Suche nach dem passenden Ventil für deine kreative Energie – beim Erlernen eines neuen Handwerks gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann? In der Serie „Von Experten lernen“ fragen wir Etsy-Verkäufer, die reichlich Erfahrung und Inspiration mitbringen, nach ihren Tipps für Anfänger.

„Marmorieren ist eine ausdrucksstarke Kunstform“, sagt die New Yorker Textilkünstlerin Natalie Stopka, Inhaberin und Designerin des Shops Natalie As Is. „Jeder Druck ist gewissermaßen die Krönung einer Mini-Performance, bei der Künstler mit dem flüssigen Medium interagieren und so ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.“ Dieser interaktive, individuelle Aspekt des Marmorierens – und die unvermeidlicherweise einzigartigen Resultate, die sie produziert – ist genau das, was Künstler wie Natalie anspricht, die ihren Shop mit Seidenbändern, Schals, Tage- und Gästebüchern sowie Tischtüchern mit Wirbelmustern füllt. Das erklärt auch, warum Marmorieren seit Jahrhunderten als Wasserzeichen und zum Schutz vor Fälschungen genutzt wird (denn kein Design sieht exakt wie ein anderes aus). Zunächst benutzte man die Technik für die Verzierung von Umschlägen seltener, kostbarer Büchern, später war es eine wunderbar dekorative Auskleidung von Schubladen, Truhen und Ähnlichem.

Während das Verfahren je nach Tradition (und Material) verschieden ist, bleibt die Grundidee dabei Muster zu kreieren – und zwar mit Farbe oder anderen Pigmenten, die auf der Oberfläche einer Wanne voll Wasser schwimmen (das oft mit einem Verdickungsmittel behandelt wird). Die Muster werden dann auf ein Stück Papier, Stoff oder einen anderen Gegenstand übertragen, dessen Oberfläche präpariert wurde, um den Farbstoff aufzunehmen und zu binden. Diese Prozedur ist von Natur aus experimentell und bietet praktisch unendlich viele Möglichkeiten für zunehmende Komplexität – und glückliche Zufälle. „Die Technik des Marmorierens ist für viele Persönlichkeitstypen geeignet – ob du nun improvisierst, spontan arbeitest oder eher geduldig, abstrakt oder willkürlich. Jedoch ist es definitiv kein Kunsthandwerk für Detailversessene“, sagt SilksByLucia-Designer Lucille Scelfo. Sie ist Autodidaktin und kann auf zwei Jahrzehnte Marmorier-Erfahrung zurückblicken. „Die Marmorierung hat ein Eigenleben und kann nur bis zu einem gewissen Punkt kontrolliert werden“, sagt sie.

Bist du bereit, loszuwirbeln? Dann lies weiter und erfahre, wie du dein Projekt auswählst, dein Material einkaufst und gängige Stolperfallen vermeidest.

Such dir ein Projekt aus

Erfahrene Kunsthandwerker können Kleidung, Wohnaccessoires und sogar Gitarren (!) marmorieren. Aber für ein erstes Erfolgserlebnis solltest du dir ein einfaches Projekt aussuchen. „Papier zu marmorieren ist für den Anfang am leichtesten“, sagt Heidi Reichenbach Finley von Marbling Supplies. „Lesezeichen, Tischsets und Origami- oder Scrapbook-Papier – was immer dir gefällt – sind ganz einfach herzustellen.“ Außerdem ist es einfacher, billiger und nicht so zeitaufreibend, mit Papier anstatt mit Stoff zu arbeiten, sagt Etsy-Mitarbeiterin (und Haus-Marmorier-Expertin) Clare McGibbon. „Du kannst mit Farben und Mustern, die dir gefallen, auf Papier experimentieren und später mit Stoffen und anderen Materialien weitermachen“, rät sie.

Trotzdem musst du auch für einfache Papierprojekte etwas Zeit und Material investieren. Deswegen bietet es sich an, ein paar Freunde zum Marmorieren einzuladen, damit sich die Anschaffung und Aufbauarbeiten auch lohnen. „Das Marmorierverfahren besteht aus vielen verschiedenen Schritten, deswegen lohnt sich der Aufbau nur, wenn du mindestens 12 Projekte hast. Ansonsten ist die Sache nicht rentabel“, sagt Lucille. Und du weißt, was das heißt: Marmorier-Party! Es ist ein Kinderspiel, inspirierende Anleitungen für’s Papier-Marmorieren zu finden: A Beautiful MessMartha StewartDesignSpongeHonestlyWTF und Food52 sind tolle Beispiele für inspirierende Projekte mit detaillierten Beschreibungen. Und sobald du bereit bist, das Marmorieren von Stoffen anzupacken, kannst du dir Etsys eigene Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen Seidenschal mit Marmor-Optik anschauen.

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Lerne, Stoffe zu marmorieren – mit Etsys exklusiver Anleitung.

Wähle deine Materialien

Bevor du deine erste Flasche mit Farbe kaufst, lies die Anleitung für das Projekt, das du dir ausgesucht hast, sorgfältig durch, um sicherzugehen, dass du alles mit nach Hause bringst, was du brauchst (und nichts, was du nicht brauchst). Jetzt wo das gesagt ist, haben unsere Profis ein paar allgemeine Tipps für Anfänger, wenn es um Materialbeschaffung geht.

Normales Papier tut es auch. „Das beste Papier für den Anfang ist ganz normales Bastelpapier“, sagt Clare. Du kannst es vor dem Gestaltungsprozess mit einem schnelltrocknenden Alaunspray präparieren. Ein Papierset mit ein paar hellen Farbtönen ist nützlich, weil später die Farben, die den stärksten Kontrast zum Papier haben, am deutlichsten sichtbar sind.

Dünn ist IN (jedenfalls für Farben). „Informiere dich online über Acrylfarbe, die möglichst dünn ist“, rät Clare. Sie bevorzugt die Marke Apple Barrel. „Die Konsistenz sollte die von Vollmilch sein.“ (Farbe, die zu schwer ist, bricht durch die Oberflächenspannung des Wassers und sinkt auf den Boden der Wanne.) Falls deine Farbe am Ende trotzdem zu dickflüssig ist, brauchst du dir keine Sorgen zu machen: Du kannst Acrylfarbe mit Wasser mischen, um die richtige Konsistenz zu bekommen.

Ein Set zu kaufen, lohnt sich. „Da das Marmorieren nicht so kommerziell ist wie zum Beispiel Stricken oder DIY-Perlenschmuck, rate ich meist, ein Set zu kaufen“, sagt Heidi. „Ein Set für etwa 13 Euro aus dem Bastelladen enthält eine allgemeine Anleitung – etwa so wie die Topflappen-Rahmen, mit denen du Weben lernen kannst.“ Clare stimmt zu: „Wenn du gerade erst anfängst, können die einzelnen Materialien teuer sein und da kommt schnell eine hübsche Summe zusammen. Ich empfehle sich mit Freunden zusammenzutun und gemeinsam an Projekten zu arbeiten oder ein Set zu kaufen, um Geld zu sparen.“

Wähle deine Wanne klug. „Die Größe des Produktes, das du marmorieren möchtest, wird durch die Größe deiner Wanne bestimmt“, sagt Clare. Such dir einen Behälter aus, dessen Öffnung (und somit die Oberfläche des Wassers, mit dem du es füllst) mindestens so groß ist wie das Stück Papier oder Stoff, das du marmorieren möchtest. Eine gute Option ist ein großer Aufbewahrungsbehälter aus Plastik, wie die, die man unters Bett schieben kann. Er sollte etwa 15 cm tief sein. „Und benutze einen hellen Behälter, damit du die Farben deines Designs beim Arbeiten erkennen kannst.“

Experimentiere mit Zubehör. In Läden werden als Marmorierzubehör Pinsel, Kämme und andere Werkzeuge verkauft, mit denen man in der Farbe kompliziertere Muster gestalten kann. Aber es ist ebenso einfach, dir selbst ein paar Werkzeuge herzustellen. „Manche Leute machen gern ihre eigenen Pinsel“, sagt Clare. „Ein häufig verwendeter Pinsel sieht aus wie ein kleiner Besen, den du herstellst, indem du ein paar natürliche Borsten zusammenbindest. Du kannst dir auch einen spezialgefertigten Kamm machen, der genau auf die Breite deiner Wanne passt, indem du ein paar Zahnstocher an einem Lineal oder einem Stück Holz befestigst“, sagt sie. Selbst eine Zahnbürste kann gute Dienste leisten: Tauche sie einfach in die Farbe ein und streiche mit einem Finger über die Borsten, um einen gesprenkelten Effekt zu erzielen.

Anfängerfehler (und wie du sie vermeidest)

Lerne die Grundlagen. „Mir sind zwei Hauptprobleme aufgefallen: Wunder bei minderwertigem Material zu erwarten und zu glauben, man könne sofort ein Experte sein“, sagt Heidi. „Um das zu vermeiden, solltest du zunächst die Grundlagen lernen. Das heißt: lesen (How to Marbleize Paper von Gabriele Grunebaum ist mein Lieblingsbuch für Anfänger), einen guten Lehrer oder Mentor finden, der dir etwas beibringt und/oder Geld in hochwertige Marmorierfarbe und -materialien investieren, bei denen Anleitungen beiliegen. YouTube ist dafür auch eine sehr gute Quelle: Es gibt immer jemanden, der neue Werkzeuge benutzt oder sich neue Techniken ausdenkt und diese Information mit anderen teilt“, sagt Heidi. Außerdem rät Lucia, die ganze Bandbreite von Wissen, das bereits existiert, zu durchforsten: „In älteren Büchern kannst du viel über die Wissenschaft und die Geschichte des Marmorierens entdecken. So bekommst du eine neue Perspektive auf das Kunsthandwerk und seine Entwicklung und lernst, beides zu schätzen. Neuere Bücher und YouTube-Filme hingegen sind gut für moderne Techniken.“ Das klingt nach ziemlich viel Lernen für eine eigentlich eher freie Kunstform, aber es lohnt sich. „Etwas über die wesentlichen Techniken und die chemischen Grundlagen des Kunsthandwerks zu lernen hat mich von der Frustration der ersten Versuche befreit – meistens jedenfalls“, sagt Natalie. „Seitdem konnte ich meine eigene Ästhetik entwickeln und etwas mutiger beim Experimentieren werden.“

Bleib nah dran und arbeite schnell. „Wenn du Farbe zu langsam hinzugibst, dann fängt sie an, zu sinken – du musst schnell und entschlossen arbeiten“, sagt Clare. „Und bleib eine Handbreit über der Wasseroberfläche, wenn du Farbe hineintropfst, sonst kann sie die Oberflächenspannung durchbrechen und ebenfalls sinken. Anstatt Farbe von hoch oben runter zu kippen, tu ein bisschen Farbe auf einen Pinsel und tropfe, tupfe oder schnipse sie auf die Wasseroberfläche“, rät sie.

Finde dein Gleichgewicht. „Es passiert ganz leicht, dass man zu wenig oder zu viel Farbe benutzt“, sagt Clare. „Wenn du zu wenig benutzt, dann haben deine Farben Pastelltöne oder sind eher fad. Viele Leute nehmen erst zu wenig Farbe – und dann machen sie das genaue Gegenteil und übertreiben es. Durch Übung und Erfahrung lernst du, die goldene Mitte zu finden.“

Benutze nicht alle Farben des Regenbogens auf einmal. Obwohl es sehr verlockend sein kann, bei den ersten Projekten gleich deine gesamte Farbpalette auszuprobieren, zahlt sich Zurückhaltung aus. „Die Leute wollen oft zu viele Designs auf einem einzigen Druck unterbringen, aber mit vielen verschachtelten Designs und Mustern sieht ein Druck überladen aus“, sagt Clare. „Wenn du anfängst, dann arbeite erst mal mit zwei bis vier Farben bis du den Dreh raus hast. Und wenn du dich dann entscheidest, noch mehr Muster auf einem Stück aufzutragen, nutze einige von denselben Farbe noch einmal“, rät sie.

Tunke zuerst in die Mitte. Wenn du das Papier auf die Wasseroberfläche hinunterlässt, dann stell dir ein lächelndes Gesicht vor, keinen Regenbogen. „Halte das Papier mit den Händen an beiden Enden fest und bringe es in die Form eines Us. Dann tauche zuerst die Mitte des Blattes ein“, sagt Clare.

Bereite einen Ort vor, wo deine Drucke trocknen können. Ob du deine Stücke flach auslegen oder zum Trocknen aufhängen möchtest, eins solltest du nicht tun: Mit einem nassen Kunstwerk in den Händen hektisch nach einem Aufbewahrungsort suchen. Weil marmoriertes Material ziemliche Flecken machen kann (und auch sehr rutschig ist), solltest du sowohl deine Arbeitsfläche als auch deine Trockenstation mit einer Plastikplane oder großen Blättern aus dickem Packpapier abdecken, die du hinterher leicht wegräumen kannst.

Zusatztipps

„Nachdem ich die europäische Tradition des Marmorierens mit seinen förmlichen Mustern studiert hatte, bin ich zurückgekehrt zum japanischen Suminagashi, das ich zuerst in der Sekundarschule kennengelernt hatte“, sagt Natalie. „Weil Suminagashi im Buddhismus entwickelt wurde, ist die Rolle des Künstlers verhältnismäßig passiv. Anstatt sich auf das Muster zu konzentrieren, dass sie produzieren möchten, stellen die Suminagashi-Künstler alle Materialien für das Marmorieren bereit und schaffen die Bedingungen, in denen sie sich ausdrücken können. Für mich ist diese Einstellung mit größerer Freiheit verbunden und mit weniger Verdruss im Arbeits-Studio, egal mit welchen Pigmenten und mit welchem Stil ich gerade arbeite.“

„Eine der Sachen, die beim Marmorieren so toll sind, ist, dass du es nicht kontrollieren kannst“, sagt Clare. „Es ist faszinierend zuzuschauen, wie die Farbe sich auf der Wasseroberfläche bewegt und egal wie sehr du probierst, sie zu kontrollieren, du kannst es einfach nicht – das ist schon fast eine Lektion fürs Leben. Man lernt, loszulassen und man lernt, wann man aufhören muss. Du darfst die Sache nicht zu weit treiben; du musst die Technik kennen lernen, aber auch ihre Grenzen.“

„Beim Marmorieren habe ich gelernt, mein kreatives Gefühl nie zu ignorieren“, sagt Heidi. „Das ist diese kleine Stimme, die sich zu den unpassendsten Momenten meldet und sagt: ‚Was würde passieren, wenn du jetzt gelb anstatt blau nimmst?‘ Ich habe verstanden, dass (sobald du die Grundprinzipien gelernt hast) es eigentlich keine Regeln gibt. Das hat mir die Freiheit gegeben, unglaubliche Entdeckungen zu machen.“

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