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Etsy School März: Kreativ sein und Gutes tun

Feb 13, 2014

von Antje Wolter

Etsy.com handmade and vintage goods
Antje Wolter ist bei Etsy Deutschland für die deutschsprachige Verkäufergemeinde zuständig.

Um in diesem Jahr die Einsamkeit des Alleinarbeitens zu bekämpfen, haben wir gerade unser neuestes Weiterbildungsprogramm für Etsy-Teams und -Verkäufer ins Leben gerufen: Die Etsy School. Dieses Programm setzt sich aus vier theoretischen Weiterbildungsmodulen und vier Team-Projekten, den sogenannten Labs, zusammen. Im Januar und Februar fanden bereits einige nette Aktivitäten rund um den Globus statt. Viele Teams haben eine „Neujahrs-Team-Party“ veranstaltet oder im Februar unser erstes weiterbildendes Modul „Ausführliche Shopkritik“ durchgearbeitet.

Wie wär’s damit, im März kreativ zu werden?

Die Etsy School Projekt-Labs sollen den unterhaltsamen Teil des Programms darstellen. Sie sind gesellige Meet-Ups oder praktische Workshops, die von deinem Etsy-Team und dir selbst organisiert werden. Die Idee beruht auf dem erfolgreichen Craft Night und “Meet & Make” Programm, das 2007 in den Etsy Labs in Brooklyn, New York entstand, sowie dem Spin-Off-Programm „Etsy-Labs“ , dass 2010 in Berlin begann. Bei der deutschen Version der Etsy-Labs handelte es sich um einen von der Community organisierten monatlichen Veranstaltungsplan, bei dem Teams sowohl weiterbildende Workshops als auch Craft Nights organisieren konnten. Dies war immer eine großartige Aktivität für die Teambildung!

Um dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, geht es beim Etsy School-Lab in diesem Monat nicht nur darum zusammen etwas zu fertigen, sondern ihr werdet eure kreativen Kräfte außerdem dazu nutzen, Gutes zu tun! Beteilige dich an einem Team-Meet-Up in deiner Region und erfahre mehr über Craftivismus.

Craftivismus ist das, was entsteht, wenn du CRAFT und AKTIVISMUS verbindest. Das bedeutet, dass du mithilfe eines kleinen selbstgemachten Etwas Gutes tun wirst, wie beispielsweise andere über soziale Missstände oder Umweltprobleme zu informieren.

>>> Schaue auf der Seite deines Teams nach, ob dein Team-Kapitän beabsichtigt, dieses Lab in deinem Team zu veranstalten oder ob Freiwillige gebraucht werden, um ein Meet-Up zu organisieren. Wenn du dort nichts findest, nimm mit dem Kapitän oder den Leitern deines Teams Kontakt auf. <<<

Um mehr über diese fantastische und weltverändernde Kombination aus Handarbeit und Aktivismus zu erfahren, haben wir uns mit Sarah Corbett getroffen, Gründerin der in Großbritannien ansässigen Gruppe „The Craftivist Collective“.

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Sarah, in deinen eigenen Worten, was ist Craftivismus?
Ganz einfach: Craftivismus ist eine Form von Aktivismus, bei der „Craft“, also Handwerkskunst, zum Einsatz kommt! Betsy Greer schmiedete den Begriff im Jahr 2003. Für mich ist der Aktivismus das Wichtigste und „Craft“ das Werkzeug. Craftivismus ist eine Form von „bedächtigem Aktivismus“ (slow activism), eine besinnliche Handlung, die nicht nur die Welt, sondern auch den Handelnden verändert. Craftivismus ist sowohl leidenschaftlich als auch höflich, provokativ als auch geduldig, und fordert die Menschen zu Diskussion und Debatte auf, anstatt ihnen eine Meinung aufzwingen zu wollen. Im Gegensatz zu den traditionelleren, stärker extrovertierten Formen von Aktivismus ist Craftivismus auf eine individuelle und leise Weise effektiv.

Wie kommt es, dass du Craftivistin geworden bist?
Durch Zufall! Ich war schon immer Aktivistin, doch vor fünf Jahren war ich eine ausgebrannte Aktivistin und fragte mich, ob ich den Kampf um eine bessere Welt aufgeben sollte. Ungerechtigkeiten den Kampf anzusagen war schon immer meine Leidenschaft. Ich bin in den Achtzigern in einem einkommensschwachen Viertel von Liverpool aufgewachsen und meine Eltern zogen mich in der Welt des Aktivismus groß.
2008 jedoch fühlte ich mich derart entmutigt und erschöpft, dass ich sogar meine Effektivität als Aktivistin anzweifelte. Lautes Protestieren und Marschieren laugte mich aus; ich mag es nicht, Leute zu dämonisieren und ihnen zu sagen, was sie machen sollen. Ich hatte das Gefühl, in bestimmte Aktivistengruppen nicht hineinzupassen, da ich eher ein introvertierter Mensch bin – mit so vielen Leuten zusammen zu sein raubte mir sämtliche Energie.
Etwa um die gleiche Zeit begann ich, mich als Hobby mit Kreuzstichstickerei zu beschäftigen. Sticken gefiel mit sehr, da ich dabei Zeit hatte, nachzudenken und auf meditative Weise kreativ zu sein. Dann hat es plötzlich Klick gemacht und ich erkannte, wie ich – und andere – sich durch Handarbeit auf eine nicht-aggressive und kommunikative Weise mit globalen Problemen auseinandersetzen könnten. Ich googelte „Craft & Activism“ und da erschien dieses Wort, „Craftivism“. Also verband ich meine Handarbeit und meinen Aktivismus und wurde Craftivistin. Ich kontaktierte Betsy Greer, die Gründerin der Craftivismus-Bewegung, um zu erfahren, ob es irgendwelche Projekte gab, an denen ich arbeiten könnte, oder Gruppen, denen ich beitreten könnte, aber es gab keine. Und so begann ich, mit der Zustimmung von Betsy, meine eigenen Projekte herzustellen und auf meinem Blog „A Lonely Craftivist“ darüber zu schreiben.

Wie entstand das Craftivist Collective?
Innerhalb von sechs Monaten, in denen ich meinem Craftivismus nachging und diesen in meinem Blog A Lonely Craftivist dokumentierte, erhielt ich zahlreiche E-Mails und Kommentare von Menschen, die mitmachen wollten. Anderen ausgebrannten Aktivisten gefiel es, dass meine Arbeit immer hoffnungsvoll und positiv war und sie zum Weitermachen motivierte. Also gründete ich das Craftivist Collective im Januar 2009. Das Collective hat inzwischen Tausende von Mitgliedern in der ganzen Welt, die alleine oder in Gruppen an Projekten arbeiten, wobei sie unsere Kits und unser Buch als Hilfe verwenden.

Etsy-School-March-Craftivist-Collective

Was genau macht das Collective?
Wir sind da, um Menschen dabei zu unterstützen, sich auf wohlüberlegte Weise durch „Mindful Craft“ (zu Deutsch „achtsames Handwerk“) und effektivem Craftivismus für soziale Gerechtigkeit und Politik zu engagieren. Wir konzentrieren uns auf persönliche Transformation anstatt auf massive Aktionen. Für mich liegt unsere Stärke darin, dass wir Menschen dabei unterstützen, globale Probleme besser zu verstehen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen sowie zu lernen, wie wir unser Potenzial als Bürger dieser Welt erreichen können, indem wir unsere Talente, Leidenschaften und alltäglichen Handlungen dazu nutzen, der Welt zu helfen und ihr nicht zu schaden.
Aus diesem Grund stellen wir zeitlose Craftivismus-Produkte und -Services für Menschen in der ganzen Welt bereit, die jederzeit alleine oder in einer Gruppe durchgeführt werden können. Zu bestimmten Zeiten jedes Jahr führen wir Initiativen durch, bei denen wir die Hilfe von Craftivisten benötigen, zum Beispiel unser Valentinstag-Projekt oder der Mini Fashion Protest (im Vorfeld der Londoner Modewoche im September). Manchmal konzentrieren wir uns auf eine bestimmte Initiative, wie unser ‘I’m a Piece! Craftivist Jigsaw-Projekt zusammen mit „Save the Children“ letztes Jahr.

Was bedeutet für dich Erfolg?
Ich erhalte jeden Tag E-Mails von Menschen, die mir sagen, wie sehr ihnen unsere Kits und Projekte helfen, sich am Kampf für eine bessere Welt zu beteiligen bzw. erneut daran zu beteiligen und sich mit ihrer Rolle in dieser Welt auseinanderzusetzen.
Das ist es, was mich täglich inspiriert und zum Weitermachen bewegt. Für mich liegt unser Erfolg darin, dass wir Menschen helfen, soziale Missstände besser zu verstehen, dass wir sie inspirieren, kleine Änderungen in ihrem Alltag vorzunehmen, die große Auswirkungen haben, wie etwa mehr ethisch einwandfreie Produkte zu kaufen, sich mit ihrem lokalen Abgeordneten zu treffen oder einer Aktionsgruppe beizutreten.

Welches Projekt war besonders inspirierend?
Wie ich schon sagte, geht es bei unserer Arbeit darum, eine positive persönliche Veränderung zu unterstützen und zu ermutigen.
Meine Mini-Protest-Banner beispielsweise wurden aufgehängt, um Menschen an Ort und Stelle auf nicht-aggressive, respektvolle Weise zum Nachdenken zu bewegen: Sie sollten die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich ziehen, ohne ihnen eine Meinung aufzuzwingen. Die Banner haben ein Mini-Format, weil ich glaube, dass kleine und schöne Stücke oftmals mehr Wirkung haben können als große und krasse Botschaften.
Meine Hoffnung war, dass Leute die Banner entdecken und dadurch bewegt würden, im Blog nach weiteren Informationen zu dem Thema zu suchen, die sie dann über Social Media mit ihren Freunden teilen. Und wir alle wissen, dass wir uns viel eher etwas ansehen, das von einem Freund geteilt wurde.

Meinst du, dass Craftivismus die Welt verändern kann?
Ich sage immer, dass Craftivismus eines der Werkzeuge von Aktivismus ist, und nicht, dass er andere Formen des Aktivismus ersetzen soll. Handwerkskunst eignet sich hervorragend zur Besinnung; sie bietet eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit anderer auf Probleme zu lenken und ist ein attraktives Sprungbrett in die Welt des Aktivismus.
Craftivismus hat meine Welt verändert. Ich freue mich sagen zu können, dass ich mich jetzt nicht mehr ausgebrannt und entmutigt fühle, sondern eine glückliche und gesunde Craftivistin bin, und dass alles, was ich tue, von Aktivismus geprägt ist. Meiner Ansicht nach machen die Vorzüge von Craftivismus diesen zu einem Transformationswerkzeug, das sowohl auf persönlicher als auch politischer Ebene berechtigterweise einen dauerhaften Platz unter den verschiedenen Formen von Aktivismus einnehmen kann. Habe ich euch überzeugt? Ich hoffe es!

Gibt es etwas, dass du bereits verändert oder erreicht hast?
Ich arbeite mit kunstgewerblichen Einrichtungen, mit wohltätigen Organisationen und Universitäten und sogar mit dem Einzelhandel zusammen. Es gibt sympathisierende Organisationen, die mit uns kooperieren möchten. Unser Ansatz reicht über die normalen Grenzen des Aktivismus hinaus. Um aus unserem Manifest zu zitieren:

Unser Ziel ist es, „ den Skandal von weltweiter Armut und Menschenrechtsverletzungen durch die Macht von Kunsthandwerk und öffentlicher Kunst zu enthüllen“.

Wir haben Medienaufmerksamkeit nicht nur von politischen Publikationen erhalten, sondern hauptsächlich von Kunst- und Kulturmagazinen und -Websites, deren Leser sich durch unsere Bilder und unseren hoffnungsvollen Kommunikationsstil angesprochen fühlen. Blogger verwenden unsere Bilder, um offen und ehrlich darüber zu diskutieren, was sie für sie bedeuten.
Ich wurde von Crafty Magazine aufgefordert, als Kolumnistin für Craftivismus zu arbeiten, damit Craft-Liebhaber in der ganzen Welt jeden Monat über Vorzüge und Beispiele von Craftivismus lesen können. 🙂 Im Oktober 2013 haben wir „A Little Book of Craftivism“ veröffentlicht und hoffen, dass dies bald neben Büchern über Handwerk und Kreativität in den Regalen vieler Menschen zu finden sein wird.

Craftivist-Collective-Stitch-in

Macht es einen Unterschied, ob man allein oder gemeinschaftlich etwas herstellt? Wenn ja, worin besteht er?
Ich ermutige Craftivisten immer, zumindest einen Teil ihrer Handarbeit im Alleingang anzufertigen, sodass sie wirklich ihre inneren Monologe führen und dabei über Ungerechtigkeiten und ihre Rolle beim jeweiligen Problem sowie dessen Lösung nachdenken können.
In einer Gruppe zu arbeiten hat andere Vorteile: Dies ist ein gutes Umfeld, um Themen zu diskutieren, die uns verwirren oder mit denen wir uns schwer tun, ein hervorragender Ort, um unterschiedliche Ansichten zu verstehen und zu erkennen, wie wir alle zusammenarbeiten können, um Probleme zu lösen. Wir können uns gegenseitig handwerkliche Fertigkeiten beibringen und werden daran erinnert, dass Solidarität und Gemeinschaft eine wunderschöne Sache ist, nach der wir immer streben sollten.

Wie kann ich selbst Craftivist werden?
Mit unserer Hilfe! 🙂

Warum beginnst du nicht einfach mit einem unserer Kits und stickst allein oder in einer Gruppe an einem öffentliches Ort. Warte ab, ob ein Passant fragt, was du da machst – dann kannst du ihm oder ihr erklären, welche Botschaft du gerade stickst und ein Gespräch über soziale Gerechtigkeit beginnen.

 

Kannst du drei Möglichkeiten nennen, mit denen man Leute dazu motivieren kann, zusammen etwas für eine gute Sache zu fertigen?

  1. Es mag zunächst entmutigend erscheinen, doch ich kann garantieren, dass gemeinsam etwas Handgemachtes für eine gute Sache herzustellen zu vielen nachdenklichen und liebevollen Gesprächen führen und dich an Folgendes erinnern wird: In den Worten von Margaret Mead: „Bezweifle nie, dass eine kleine Gruppe aufmerksamer, engagierter Menschen die Welt verändern kann – in der Tat ist es nie jemand anderes gewesen“.

  2. Selbst etwas herzustellen ist gut für die seelische Gesundheit – es macht dich entspannter, besinnlicher und kreativer. Und du wirst stolz auf dein kleines Stück Craftivismus sein.

  3. Wir alle sind Bürger dieser Welt und haben eine Wirkung auf sie. Und damit haben wir auch eine gegenseitige Verantwortung, alle Lebewesen auf diesem Planeten zu unterstützen und den Planeten selbst zu schützen. Dein Leben wird so viel erfüllter sein in dem Wissen, dass du dich bemühst, zur Behebung von Missständen beizutragen, anstatt ein Teil des Problems zu sein.

***

Nutze deine Kunstfertigkeiten, um etwas zu bewirken – jetzt!

 

Nimm zusammen mit deinem Team an diesem Craftivismus-Lab der Etsy School teil. 

Kontaktiere deinen Team Kapitän und mache deutlich, dass du bei der Organisation eines Craftivismus-Events im März helfen kannst.

Team Kapitäne, habt ein Auge auf euren Posteingang und verpasst nicht, wie ihr euer Team für dieses Lab anmelden könnt und euch unseren Orga-Leitfaden runterladen könnt.

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Etsy School-Termine 2014:

Geplante Weiterbildungsmodule: Geplante Projekt-Labs:
April: Anfängermonat – Stelle neuen Leuten und deiner lokale Community dein Team vor, indem du einen Workshop für neue Mitglieder veranstaltest. März: Craftivismus-Monat
Mai: SEO – Zusammen mit einem Partner aus deinem Team gehst du Übungen und Lektionen durch um schwache Titel und Bezeichnungen ausfindig zu machen und sie durch Schlagwörter zu ersetzen, die dafür sorgen, dass deine Produkte auch gefunden werden. Juni: Craft Party + Marketing Team-Projekt – Arbeitet als Team zusammen, um neue Wege für das Promoten des eigenen Shops und deines Teams zu finden.
Juli: Fotografie – Begutachte gemeinsam mit einem Partner deine Bilder und finde mithilfe unseres Quiz heraus, wie du deine Artikelfotos verbessern kannst. Zeitgleich könnt ihr am Monatsende das passende Lab veranstalten: Vielleicht ein Praxisworkshop oder ein Fotoshooting. Juli: Foto-Shooting – Wende das Gelernte aus dem weiterbildendem Modul im Juli an und organisiere ein Foto-Shooting für das ganze Team. Arbeitet zusammen, steht euch gegenseitig Model, besorgt und teilt Zubehör oder engagiert sogar einen Fotografen.
September: Social Media –Lerne, wie du Social Media nutzen kannst, um deinen Shop wirklich nach vorne zu bringen. Dabei arbeitest du mit einem Partner zusammen und ihr könnt gegenseitig Werbung für eure harte Arbeit machen! November: Pop-up-Markt – Ein echter Laden bedeutet sehr viel Arbeit, aber es ist viel einfacher, wenn dir deine Teammitglieder helfen! Nutze dieses Team-Projekt, um einen eigenen Weihnachts-Pop-Up-Markt zu organisieren und zu veranstalten.

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