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Etsys Guide für Vintage-Verkäufer #1: Produktauswahl und Recherche

Jul 9, 2013

von Timea

Etsy.com handmade and vintage goods
Etsy Verkäuferin Timea vom Shop MightyVintage verrät Tipps und Tricks rund ums Vintage-verkaufen auf Etsy

Willkommen zur neuen Verkäufer-Reihe auf Etsy: Der große Vintage-Verkaufs-Guide! Mit Hilfe von Timea vom Vintage-Shop MightyVintage bieten wir dir in den nächsten Wochen eine Reihe von hilfreichen Artikeln rund um das Thema Vintage. Timea verkauft seit gut 1,5 Jahren auf Etsy. Startete damals noch klein und unsicher, neben ihrem Vollzeit-Hauptjob. Als leidenschaftliche Sammlerin konnte sie einfach nicht noch mehr „alten Trödel“ bei sich „einlagern“ und so begann ihre aufregende Reise mit Etsy ins Land der Kleinunternehmer. Seit Mai 2013 betreibt sie ihren Shop nun in Vollzeit!

Seit ich denken kann, gibt es eine Sache, die mich immer wieder packt: die Jagd, die Jagd nach altem Kram. Wenn ich Leute neu kennenlerne, kommt irgendwann immer die Möglichkeit zu fragen, welche denn ihre Lieblingsflohmärkte oder Trödelläden sind. Die meisten sind einem bekannt, aber wenn dann mal eine neue Anlaufstelle verraten wird, gibt es nur eins. Nix wie hin.

Die hoffnungsvolle Vorfreude bei der Anfahrt, das Entdecken der unscheinbaren Ladentür, dann endlich, der tolle, alte Muff von Jahrzehnten (den die meisten meiner Freunde grauenhaft finden). Tunnelblick eingeschaltet und los geht’s. Reihen um Reihen Porzellanelefanten, Schulterpolster und Sitzgarnituren mit bezaubernden Mustern aus den Achtzigern werden begutachtet. Meist erwache ich kurz vor der Kasse erst aus dem Vintage-Delirium und scanne erstmal meine Funde.

Die Idee aus dieser Macke eine Profession zu machen, erfasste mich plötzlich und unerwartet wie ein Fieber. Ich kenne Etsy schon lange von Blogs und konnte auf der Seite ganze Tage totschlagen, habe aber nie gedacht, dass ich auch mal einen Shop haben könnte. Ein Etsy-Shop ist jedoch die perfekte Spielwiese, um unkompliziert auszuprobieren, ob die eigenen Ideen auch umsetzbar sind und anderen gefallen. Anfangs war der Shop ein Experiment sondergleichen, aber es packte mich und langsam aber sicher, gab es kein zurück.

Zu der Begeisterung für das schöne Alte kam dann nach und nach – sehr unerwartet für mich – die noch größere Begeisterung für das Business. Es reicht nicht ein gutes Auge und guten Geschmack zu haben; das Gefundene zu verkaufen ist mindestens eine genauso große Kunst, aber eine die man lernen kann! Buchhaltung, Preiskalkulation, Steuern, Marketing, Exportbestimmungen, Recht, Produktfotografie usw. wurden meine Steckenpferde und ich merkte wie die Dinge langsam anliefen: Mehr Besucher, mehr Favoriten, mehr Treasurys und schließlich mehr Verkäufe. Es ist die Freude am Verkaufen, die mich antreibt. Ein Etsy-Shop ist eine spannende und sehr kreative Reise. Komm doch mit!

Wie wähle ich meine Produkte aus?

Das Wichtigste vorab: Du musst Stücke finden, die du auch verkaufen kannst. Frage dich bei jedem Teil: kann ich dafür einen guten Preis erzielen? Deine Zeit ist kostbar, daher wähle deine Produkte sehr sorgfältig aus, damit es sich letzen Endes für Dich auch lohnt. Vor allen Dingen achte ich beim Einkaufen auf folgendes:

  1. Ist es in einem makellosen Zustand? Prüfe die Ware genau. Teste die Funktionalität am besten vor Ort. Das heisst: Wecker aufziehen (für batteriebetriebene Geräte habe ich immer Batterien dabei), Reissverschlüsse ausprobieren, Klammern und Scharniere testen, nach Flecken suchen, riecht es nach Rauch? Wenn du erst zuhause feststellst, dass dort ein Riss ist und hier eine abgeschlagene Ecke, kannst du das Teil womöglich nicht mehr verkaufen, oder musst Zeit oder sogar Geld reinstecken, um es verkaufbar zu machen. In einigen Fällen lohnt sich das sogar, aber es gibt genug Vintage in der weiten Welt, um sich das Beste davon rauszupicken.
  2. Wie schwer und wie groß ist es? Es schadet nicht, alle Versandbestimmungen der Post auswendig zu kennen (es gibt auch praktische kleine Heftchen mit allen Maßen und Gewichtsgrenzen bei jeder Postfiliale zum Mitnehmen). Beim Einkaufen habe ich meist eine kleine Küchenwaage und ein Maßband bei. Und wenn die Vase noch so schön ist… Sie ist einfach zu schwer und zu groß, um noch zu einem vernünftigen Preis versendet zu werden. Wenn die Versandkosten höher sind, als der Artikelpreis, ist das für den Käufer wenig attraktiv. Es gibt natürlich Supersondereinzelstücke, bei denen man eine Ausnahme machen kann, vor allem wenn du eine gute Gewinnspanne erzielen kannst. Meist jedoch halte ich mich daran, denn diese Artikel landen letztendlich im Sale.
  3. Ist es gefragt? Beobachte Trends. Ob auf deinen Lieblingsblogs, Pinterest, Instagram, Magazinen oder Etsy selbst: beschäftige dich mit den angesagten Themen. Jeder hat seinen eigenen Stil und eigene Präferenzen (bei mir sind’s momentan Vasen und Eulen), und das ist auch gut so. Aber du kannst deinen Umsatz sehr beeinflussen, wenn du die aktuellen Trends bedienen kannst. Und ehe du dich versiehst, wird ein Trend zu deiner neuen Macke (siehe Eulen). Ganz wichtig: den Spaß dabei nicht verlieren. Daher, wenn du ein Stück liebst, haben willst, obwohl es schräg und wirklich seltsam ist (z. B. Macramée-Eulen), dann folge deinem Herzen und kaufe es! Wenn du etwas wirklich toll findest, bringe das in deiner Artikelbeschreibung und deinen Fotos gut rüber, und es kann sehr gut sein, dass es jemand anderes auch toll finden wird.

Mein Geheimtipp: Vor dem Bezahlen noch mal kurz zu sich kommen (es ist schon wirklich vorgekommen, dass ich mit blaßbleichem Gesicht den verdutzten Verkäufer gebeten habe, er soll mal auf meine Funde aufpassen, denn ich müsse mal kurz an der Luft ausnüchtern) und jetzt wirklich knallhart jedes Teil checken: Fehler? Gewicht? Trend? UND Gewinnspanne! Meist fliegen hier noch ein Paar Teile raus und DANN bitte nochmal ein bisschen feilschen, meine Damen und Herren! Ein Paar Euro lassen sich meist rausschlagen. Wenn möglich, Quittung nicht vergessen für die heißgeliebte Steuer.

Recherche: Know thy Vintage!

Mache deine Hausaufgaben und nimm dir Zeit zum Recherchieren. Das Internet ist eine schier nicht endende Wissensquelle für Vintage. Nutze sie! Man weiß bereits viel über die bevorzugten Artikel, aber mich traf schon mal der Schlag, als ich entdeckte, dass die schicken Schälchen, die ich für 10 Cent gekauft hatte, englisches Markenporzellan waren und gesammelt wurden und man sie für 50 Pfund auf ebay.co.uk verhökerte. Habe Geduld mit Dir, denn es dauert, sich dieses Wissen anzulesen. Manchmal verbringe ich Stunden, von einer Website auf die nächste hüpfend, mit offenem Mund vor dem Rechner und lerne einfach was es für wahnsinnig tolle Dinge zu kaufen und verkaufen gibt – und welche Dinge lieber nicht. Je mehr du bescheid weißt, desto besser kannst du deinen Preis letztlich kalkulieren und musst dich nicht ärgern, dass du die Krups-Uhr für 100 EUR verkauft hast, und drei Wochen später auf Ebay entdeckst, dass sie dort für 200 verkauft wurde.

Das Deutsche Patent- und Markenamt ist schon mal eine gute erste Anlaufstelle für Recherche. In der Online-Datenbank findest du alle deutschen eingetragenen Marken. Es gibt keine Garantie dafür, dass du hier immer fündig wirst, aber du bist schonmal auf dem richtigen Weg. Je nach Artikeltyp findest Du auch sehr, sehr gute Datenbanken von professionellen Antiquaren oder Hobbysammlern über Google im Internet. Diese helfen dir vor allem dabei, auch ein ungefähres Herstellungsdatum festzulegen und die Artikel richtig zu benennen. Hier erfährst du zum Beispiel, dass die besagte Vase ein bestimmtes Muster mit einem bestimmten Namen hat, und genau diese Namen sind die Schlagwörter, die dein Kunde suchen wird und die für dich sehr wichtig für Titel und Tags sind. Auch gibt es tolle Vintage-Teams, die dir weiterhelfen, aber dazu mehr in einem späterem Artikel in dieser Reihe!

Du kannst dir auch eine Ära, in der du dich besonders gut auskennst und die dir sehr liegt, aussuchen und dich darin spezialisieren. Es ist einfacher sich auf eine Sache zu besinnen, darüber zu lernen und zu kaufen, wenn du dich an eine bestimmte Epoche hältst. Finde einfach eine bestimmte Kategorie, die dir gefällt: Art Deco vielleicht? Oder Retro-Sachen aus den 1950ern oder Biedermeier aus dem 19. Jahrhundert? Finde eine Ära, die du magst und kaufe nur Antiquitäten aus dieser Zeit. Du wirst schnell lernen, zu welchen Preisen du deine Artikel verkaufen kannst.

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Im zweiten Teil wird Timea ihr Wissen über Produktfotografie mit dir teilen. 

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Was kann ich auf Etsy verkaufen?Das Etsy VerkäuferhandbuchVerkäufernewsletter

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