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Ein Interview über gutes Design mit Sven Ehmann, Creative Director beim Gestalten Verlag

Dez 13, 2012

von katikrause1

Etsy.com handmade and vintage goods

Auf dem 6. ?ód? Design Festival Ende Oktober diesen Jahres kuratierte Sven Ehmann, Creative Director des internationalen Designbuchverlags Gestalten, die Ausstellung „The Future is Stupid“. Gezeigt wurde eine Auswahl außergewöhnlicher Entwürfe polnischer Designer, einige von ihnen Etsy-Verkäufer, doch eigentlich ging es weniger um die Produkte an sich: vielmehr wollte Sven seine Idee von Design als Ansatz, Werkzeug und Denkweise vermitteln. Wir haben ihn noch einmal zu dieser Denkweise und seiner Vorstellung von gutem Design befragt.

Nach welchen Kriterien hast du die Designer der Ausstellung ausgewählt?

Die Auswahl für „The Future is Stupid“ war ziemlich persönlich. Ich habe Projekte und Leute ausgesucht, die mich in den vergangenen Monaten wirklich beeindruckt und mein Verständnis von Design erweitert haben.

Foto von endesign

Was wolltest du mit der Ausstellung erreichen?

Das übergreifende Thema des Festivals in ?ód? war „Awareness“ und ich habe relativ früh entschieden, nicht einfach eine schöne Ausstellung zu machen, sondern eine, die eher ein wenig irritiert. Jedes Projekt zeigt, wie weit man den Begriff Design fassen kann und was ein Gestalter (oder die Denk- und Handlungsweise von Gestaltern) bewirken kann. Es ging mir nicht um Neuigkeiten oder Trends, sondern um smarte Lösungen für echte Probleme – im Kleinen und im ganz Großen.
Alle Designer haben reale Objekte für die Ausstellung geliefert, aber das eigentlich interessante – und damit auch das wesentliche Auswahlkriterium – war die Geschichte dahinter. Der Prozess, die Haltung, die Lösung für ein ganz konkretes, aktuelles Problem. Das war auch der Grund dafür, neben den realen Exponaten noch eine zusätzliche Erzählebene einzubauen. Zusammen mit dem Berliner Illustrator Paul Paetzel habe ich für jedes Projekt eine Infografik entwickelt und es war schön zu sehen, wie viel Aufmerksamkeit die Besucher der Ausstellung diesen Informationen geschenkt haben.

Was ist deiner Meinung die Aufgabe von Design?

Es gibt so viele verschiedene Aspekte von Design, dass es schwer ist, eine einzelne Aufgabe zu definieren. Ich finde es OK, wenn Design unser Leben auf der einen Seite einfach schöner und angenehmer macht, aber ein besonderes Potential sehe ich in der Art, wie Designer über Probleme nachdenken und wie sie zu Lösungen kommen, die andere (oft die eigentlichen Experten) nicht in Erwägung ziehen würden. Und weil Designer das können, finde ich es wichtig und spannend, dass sie sich in Zusammenarbeit mit anderen, um die wichtigen und großen Themen kümmern. Egal, ob es dabei um Energie, Gesundheit und Ernährung oder den Finanzmarkt geht.

Erfüllen Designer heutzutage diese Aufgabe?

Für mich ist die Frage weniger, ob Designer das machen. ich glaube, es geht eher darum, ob andere Experten Designer für ernstzunehmende Gesprächspartner halten, um solche Probleme zu lösen. Mir scheint, dass es da Bewegung in den Köpfen gibt. Aber die allgemeine Wahrnehmung von Design ist doch noch eher von so beliebigen und eher entwertenden Kategorien wie Designersofas, Designerbrillens, Designerturnschuhe etc. geprägt. Um das zu ändern müssten Designer besser vermitteln, was sie machen. Und Medien müssten besser und ernsthafter über dieses Feld berichten. Meiner Meinung nach gibt es in Deutschland keine angemessene Berichterstattung zum dem Thema.

Die in der Ausstellung vertretenen Etsy-Shops waren AnnaLawskaJewellery, ProjektMosko, Endesign und Bemabejbe.

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