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Das blaue Wunder: Shibori-DIY mit Ranipink

Sep 12, 2016

von lenastross

Etsy.com handmade and vintage goods

Petra Hassan betreibt seit 2005 „Ranipink“ – ein Ein-Frau-Unternehmen. Für ihren Etsy-Shop arbeitet sie mit hochwertigen Vintage-Stoffen aus der ganzen Welt wie Leinen, österreicher und marokkanischer Wolle, Seide und Vintage-Stickereien aus ganz Asien. Diese färbt sie unter anderem mit ihrem Lieblings-Farbstoff Indigo. Ihr Spezialgebiet liegt bei der Textil-Färbung, dem Sticken, Nähen und kontemporären Wüsten-Nomaden-Interior Style.

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Heute zeigt uns Petra wie man tolle Muster mit Indigo färben kann!

Färben mit pflanzlichem Indigo ist in etwa wie ein Brot backen, es braucht etwas Zeit und Geduld! Der Indigofarbstoff hat eine lange Geschichte und ist einer der ältesten, bekannten pflanzlichen Farbstoffe. Der blaue Faden zieht sich im wahrsten Sinne des Wortes durch die Kulturen der Welt. Von den alten Ägyptern, den Maya, durch Europa, Asien, Afrika und Amerika färben Menschen seit Jahrhunderten Textilien in Blaunuancen. Indigopflanzen wie unter anderem die tropische Indigofera tinctoria und der Färberwaid Isatis Tinctoria enthalten eine Vorstufe des Indigos, das Indican. Mit Hilfe von Fermentation und dem Färbeprozess entsteht daraus das legendäre Blau. Indigo ist nicht wasserlöslich, daher benötigt man eine alkalische Lösung um zu färben. Was sich wie komplizierter Chemieunterricht anhört, ist mit einem einfachen Rezept auch für Färbeanfänger gut umsetzbar um ein „blaues Wunder“ zu erleben.

Zutaten:

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* 40g Indigo (Indigofera Tinctoria in Stücken im Mörser mahlen oder bereits fertig gemahlen)
* 80g Entfärber (in Pulverform)
* Wasser
* großer Topf mit Deckel (z.B. ein gut erhaltener Emailletopf/Einmachtopf ohne Rost)
* alter Holzlöffel/Kochlöffel mit langem Stiel
* Thermometer
* Handschuhe
* Atemschutz
* vorbereitete Stoffe/Färbegut aus Naturfasern (Leinen, Baumwolle, etc.)
* Eimer mit Wasser

Vorbereitung der Stoffe:

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Es gibt unzählige Varianten wie man ein Stück Stoff wickeln, abbinden und falten kann um schöne Muster zu erzielen. In Japan werden seit langen Zeiten Shibori-Techniken verwendet um kontrollierte Muster auf Stoffen zu erzielen. Hier kommen drei einfache Falttechniken für wunderschöne Muster. Die Stoffe zuerst auf das gewünschte Maß zuschneiden und mit dem Zickzackstich an der Nähmaschine versäubern. Damit verhindert man das Ausfransen beim Färbe- bzw. Waschvorgang.

Wellenmuster:

Zutaten: Stoff, Plastikrohr, Gummiband

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Das Stück Stoff um das Plastikrohr wickeln, mit Gummitband fixieren und zusammenschieben, dann die beiden Enden nochmals mit Gummitband fest fixieren.

Karomuster:

Zutaten: Stoff, Gummitband

Den Stoff wie eine Ziehharmonika in Falten legen, danach nochmals von der kurzen Seite die Falttechnik wiederholen bis ein kleines Päckchen entsteht. Das Stoffpäckchen mit Gummiband fixieren. Die Größe bzw. Breite der Falten bestimmt das Muster.

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Geometrisches Muster:

Den Stoff ebenfalls wie eine Ziehharmonika falten. Nun von der kurzen Seite den Stoff als Dreieck abwechselnd von oben nach unten falten bis ein dreieckiges Stoffpäckchen entsteht, dann mit Gummitband fixieren. Je fester die Stoffe abgebunden und fixiert sind, desto klarer werden die Muster. Je genauer gefaltet wird, desto regelmäßiger wird das Muster.

Das Färben:

Den Topf zu 3/4 mit warmem Wasser befüllen und erhitzen. Indigopulver mit etwas warmem Wasser in ein Glas mit Schraubverschluß geben und gut schütteln. Sobald das Wasser die Temperatur von 55°C erreicht hat, die Indigomasse hineingeben und gut verrühren. Entfärber dazugeben und vorsichtig verrühren – die Wassertemperatur sollte dabei 65°C nicht übersteigen.

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Nun entsteht auf der Wasseroberfläche ein Film der Kupfer metallisch schimmert, die „Indigoblüte“. Wenn sich die nun sogenannte Küpe von opakem Blau zu Grüngelb verfärbt hat, kann man mit dem Färben beginnen. Das vorbereitete Färbegut in einen mit Wasser gefüllten Eimer geben bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen. Das feuchte Färbegut langsam in die Küpe geben und ca. 10 bis 15 Minuten darin liegen lassen. Größere Stoffstücke ab und an sanft mit einem großen Kochlöffel bewegen, das Färbegut muss dabei komplett von der Küpe bedeckt sein, sonst wird es fleckig.

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Sobald man das Färbegut wieder herausnimmt, erlebt man im wahrsten Sinne des Wortes sofort „ein blaues Wunder“. Der Stoff ist zunächst fluoreszierend Gelb und oxidiert mit Sauerstoff von fantastischem Türkis über Petrol hin zu magischem Blau. Beim Herausnehmen des Färbegutes den Stoff am besten direkt über der Küpe sanft ausdrücken um nicht zuviel Sauerstoff in die Küpe gelangen zu lassen. Das Färbegut ca. 15 Minuten verblauen lassen und den Vorgang je nach gewünschter Farbtiefe wiederholen.

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Mit jedem Färbevorgang legt sich eine Schicht um die Faser. Für helle und mittlere Blautöne wird bis zu 10 Mal gefärbt, für dunkle Blautöne bis zu 25 Mal. Es braucht also etwas Zeit und Geduld um tiefe Blautöne zu färben. Wenn sich die Küpe wieder opak Blau verfärbt ist zuviel Sauerstoff hineingekommen, dann wieder etwas Entfärber dazugeben, ruhen lassen und ggf. auf 55°C bis max. 65°C erhitzen.

Das fertig gefärbte Färbegut ausdrücken, auspacken, aufhängen und trocknen lassen. Danach die Stoffe ausspülen bis das Wasser klar ist. Dies geht auch problemlos in der Waschmaschine – dazu die Schleudertouren auf max. 400 Umdrehungen stellen. Wenn die Stoffe anschließend getrocknet und gebügelt sind können sie nach Belieben zu schönen Produkten wie z.B. Kissen, Geschirrtüchern, etc. verarbeitet werden.

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Bezugsquellen:

* Indigopulver (Indigofera Tinctoria in Stücken oder gemahlen), z.B. über Kremer
* Pigmente
* Entfärber aus dem Drogeriemarkt

Färbeutensilien wie Töpfe, Kochlöffel, etc. NICHT zur Lebensmittelzubereitung verwenden!

In gut gelüfteten Räumen oder draußen färben! Entsorgung der verbrauchten Indigoküpe in der örtlichen Kanalisation.

Text/Fotos (c) Petra Hassan ranipink 2016

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