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Verkäuferporträt: æmpersand/

Etsy.com handmade and vintage goods

Die Mode des Labels æmpersand/ von Anna-Magdalena lebt von ihrer Schlichtheit und den besonderen Schnitten. Trägt man eines der Kleidungsstücke fällt man sicherlich auf, jedoch stilvoll. Wir sind auf jeden Fall begeistert von ihren Produkten! Deshalb  freuen wir uns sehr, dass Anna-Magdalena am kommenden Montag, den 16. Juli in unseren Berliner Etsy Labs einen Workshop leitet: Schnittkonstruktion Leggings.

Bis dahin könnt ihr im Verkäuferporträt mehr über sie erfahren:

Wie bist du zur Mode gekommen?
Bisher hatte ich meine Modeaffinität immer ein bisschen als Mädchentraum abgetan. Als es dann ernst wurde und um meine Berufsplanung ging, sagte meine Mutter in einem Streitgespräch zu mir, ich hätte mich doch nie für etwas anderes als für Mode und Styling interessiert. Vielleicht habe ich sogar ein bisschen aus Trotz eine Mappe fertiggemacht und mich an verschiedenen Modeschulen beworben. Dann hat es tatsächlich gleich geklappt. Mit Zwischenstationen in Berlin, Leipzig, Frankreich und Dänemark bin ich nun wieder in Berlin gelandet und arbeite in meinem eigenen kleinen Atelier mit Laden.

Woher bekommst du deine Inspiration?
Ich habe ein ausgeprägtes Faible für Architektur, Materialien und Strukturen. Nicht zu vergessen: Musik. Ich schaue mir nicht viel Mode an, wenn ich im Entwurfsprozess stecke, um mich nicht zu sehr zu beeinflussen.
Manchmal muss ich einfach mit Materialien spielen. Wie kann die Tasche auch aussehen und funktionieren? Bisherige Herangehensweisen wurden in meinem Austauschjahr in Dänemark umgekrempelt und andere Wege der Entwurfsfindung gezeigt: Anstatt mit der Silhouette zu beginnen, entwarfen wir „Samples“ – kleine Nähdetails, und gingen sozusagen vom Kleinen ins Ganze.
Die skandinavische Mode war für mich wie eine Offenbarung. Als ich dort zum Studieren war, kam ich mir das erste Mal verstanden vor, wenn man schlichte Sachen mit einfarbigen Stoffen machen möchte und ohne dabei automatisch auf Klassik festgelegt zu werden. Die Erfahrungen die ich in Dänemark gesammelt habe inspirieren mich und beeinflussen mein Design bis heute.

Foto von æmpersand/

Wie überwindest du ein kreatives Tief?
Kreative Tiefs flößen mir heute nicht mehr so viel Respekt ein wie vor ein paar Jahren. Heute kann ich mich aus einem Repertoire an Überwindungsstrategien bedienen und mit dem Wissen beruhigen, das die Hemmnisse vorübergehen. Manchmal ist es gut, der Arbeit einen Tag fern zu bleiben. Doch im Kopf muss man irgendwie dranbleiben. Dabei muss man immer Vertrauen in sich selbst haben.

Welche Person hatte besonders großen Einfluss auf dein Handwerk?
Das Nähen habe ich mir selbst beigebracht, getrieben von dem Wunsch meine Ideen so umzusetzen, wie ich sie mir im Vorhinein vorgestellt habe. Manchmal bin ich fast verzweifelt. Für schlichtes Design ist die exakte Umsetzung sehr wichtig. Ich hatte das Glück, in Schnittkonstruktion von einer wahnsinnig erfahrenen Professorin unterrichtet zu werden. Sie ist mit ihren 80 Jahren mit uns auf dem Boden herumgekrabbelt, wenn der Schnitt zu groß war, um auf den Tisch zu passen. Sie war streng und hat uns Nächte durcharbeiten lassen. Ich bin ihr unendlich dankbar für das Wissen und den Anspruch in Passform und Gestaltung, den sie mir vermittelt hat.

Foto von æmpersand/

Wie kam es zur Labelgründung von æmpersand/? Wie bist du auf den Namen gekommen?
Am Anfang war mir das gar nicht so bewusst, dass ich ein Label haben möchte. Gemeinsam mit einer Freundin, die Textildesignerin ist, habe ich meine Arbeit ausgestellt und ganz gut verkauft. Anschließend haben wir an Messen teilgenommen. Zeitgleich habe ich 2007 mein Diplom gemacht. In dieser projekthaften Übergangszeit mussten wir uns einen Namen überlegen, um die Sachen verkaufen zu können. So habe ich mich das erste Mal mit dem Thema eines Labels beschäftigt. 2009 starte ich mit æmpersand/. Von der Wortbedeutung von and per se and kommend wird das „und“ als Verbindung betont. Die Ligatur „æ“ in æmpersand/ bleibt ein kleiner Verweis an meine dänische Zeit. Der Labelname ist als eine offene Andockstelle zu verstehen, weil man neben dem Entwerfen und Herstellen von Mode – dem Grundprodukt – auch immer Modefotografen, Stylisten und Grafikern oder auch Journalisten braucht, um darüber zu informieren. Man arbeitet als Team zusammen. Es ist der kooperative Gedanke, der mir daran besonders gefällt und mit dem ich mich identifiziere. Mir ist der abstrakte Labelname lieber als meinen persönlichen Namen zu verwenden. Der Labelname lässt sich im Personenkreis erweitern und drückt niemandem meinen eigenen Namen auf. Ich mag den Wortklang von æmpersand/ sehr. Er steht für mich für mehr und sagt “da kommt noch was, da ist noch etwas drin”.

Wenn du einen Blick in das Studio eines Künstlers, Designers oder Handwerkers werfen könntest, wessen Studio wäre das?
Ich hätte Egon Schiele gern beim Zeichnen zugesehen, ich mag die Dynamik und Leichtigkeit seines Striches.

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