Etsys Deutscher Blog

Der Preis ist heiß

Etsy.com handmade and vintage goods

Dieser Artikel basiert zum Teil auf einem Beitrag von Danielle zum Seller Handbook. Die Originalversion findet ihr hier.

Einen Preis für deine Arbeit zu finden, zu benennen was du, was dein Produkt wert ist, das sind wahrscheinlich die schwierigsten Schritte bevor man sein erstes Produkt online stellt. Immer wieder diskutiere ich mit Verkäufern über die hohe Kunst der Preissetzung und der Gefahr sich unter Wert zu verkaufen. Meine amerikanische Kollegin Danielle hat eine ziemlich einfache, aber dafür effektive Formel dazu aufgetan. Ganz kurz und knapp, damit du gleich loslegen kannst!

Die Formel

Hier ist die wirklich einfache Formel:

Material + Arbeitsaufwand + Ausgaben + Gewinn
= Einkaufspreis x 2
= Verkaufspreis

Die ursprüngliche Formel stammt von der großartigen Megan Auman. Was toll an der Rechnung ist: Dein Gewinn ist von vornherein mit drin!

Ich gehe nun mit euch alles Schritt für Schritt durch.

Material

Rechne all deine Materialkosten zusammen, versuche nichts zu vergessen: Gerade die kleinen Dinge wie Garn oder größere Posten wie Verpackung. Falls du die einzelnen Sachen nur schätzen kannst, versuche die Kosten etwas höher anzusetzen, um am Ende auf der sicheren Seite zu sein.

Arbeitsaufwand

Stell dir vor, jemand möchte dich anstellen und bietet dir € 5,- die Stunde – was würdest du davon halten? Wenn du dein eigener Chef bist, dann sei ein fairer Chef und recherchier mal, was in deiner oder verwandten Branchen üblich ist. Was verdient wohl eine SchneiderIn in München? Finde es raus (Aber denk dran, dass du wahrscheinlich mehr als “nur” eine SchneiderIn bist – du bist auch DesignerIn, die Marketing Abteilung, die Buchhaltung, der Hausmeister und und und)!

Ausgaben

Die Verpackung zum auspolstern deiner Pakete, das Ebook über SEO, die Miete für dein Atelier, die Fahrscheine jeden Tag um ins Atelier zu fahren, die neue Wage für deinen Packtisch. Wie zum Teufel kann man diese ganzen Kosten auf ein einzelnes Produkt umlegen?

Zum Beispiel so:

  1. Notiere jede Ausgabe (pro Monat), die dir in den Sinn kommt – zum Beispiel auch die Etsy-Gebühren, Büromaterialien, Miete oder Nebenkosten usw.
  2. Als nächstes überlegst du dir wieviele Produkte du im Monat verkaufen möchtest. Teile dann die Summe der Ausgaben durch die Anzahl der Produkte.

Tipp: Es gibt 2 Dinge, die die tun kannst, um den Preis noch exakter zu kalkulieren:

  1. Bleibe stets auf dem Laufenden mit deinen Ausgaben, halte sie irgendwie fest, damit du dir jederzeit einen Überblick machen kannst. Kennst du schon freeFIBU – ein zum Teil kostenloses Online-Buchhaltungstool? Später (wenn die Verkäufe eintrudeln) können wir auch Rechnungsdruck.de empfehlen.
  2. Denk mal über deine großen Investitionen nach? Wieviele Teile kannst du wohl mit der neuen Nähmaschine nähen? Wie lange wird wohl dein Drucker funktionieren?

Gewinn

Jetzt denk mal schwer nach: Wohin willst du mit deinem Etsy Shop? Was ist dein Ziel? Willst du ihn so erfolgreich machen, dass du deinen “normalen” Brotjob an den Nagel hängen kannst? Willst du dir was dazu verdienen um dein BAföG abzuzahlen? Eine Gewinnrechnung wird dir helfen, diesen Weg zu ebnen. Deine Gewinnspanne hängt natürlich davon ab was du verkaufst, auch von der Art deiner Produkte. Ein Grafiker zum Beispiel, der niedrige Materialkosten hat und auch seinen Arbeitsaufwand auf eine Vielzahl von Produkten umlegen kann, da sie sich schnell und einfach vervielfältigen lassen, sollte dafür aber sein einzigartiges Talent und Gespür nicht vergessen! Diesen Punkt überlasse ich dir. Vertraue in deine Fähigkeiten und dein Können und setze deinen Gewinn nicht zu niedrig an!

Alles zusammen bringen

Wenn du die 3 Posten zusammenrechnest, hast du den sog. Einkaufspreis. Manche von euch werden sich fragen, ob sie nicht den Einkaufspreis in ihrem Etsy Shop benutzen sollten. Wäre das nicht eine tolle Möglichkeit deine Arbeit zu einem erschwinglichen Preis anzubieten? Nein, nein, nein! Ich flehe euch an diesen Einkaufspreis zu verdoppeln und einen richtigen Verkaufspreis draus zu machen – genauso wie im herkömmlichen Einzelhandel. Warum? Deshalb:

  1. Wenn du deine Produkte zum Einkaufspreis verkaufst, ziehst du die Preise und den Marktwert aller anderen Verkäufer, die vernünftige Preise haben, in den Keller. Wenn die Mehrheit der Verkäufer aus einer bestimmten Kategorie vernünftige, durchdachte Preise verwenden, profitiert am Ende die gesamte Kategorie.
  2. Kunden werden sich fragen: “Warum?” Warum ist dein Produkt so viel preiswerter als alle anderen? Ist es vielleicht nicht wirklich Handarbeit? Ist es vielleicht, weil du billigere Materialien benutzt? Was nicht viel kostet, ist nicht viel Wert?! Dein Preis erzählt auch eine Geschichte: Mach eine gute Geschichte draus!
  3. Du benachteiligst dich selbst. Angenommen ein großer Katalog tritt an dich heran und fragt dich: “Wir würden gerne 100 Stück von diesem Produkt kaufen! Welchen Preis können Sie uns machen?” So etwas wäre natürlich eine tolle Möglichkeit für dich; in dem Fall aber eine Möglichkeit, die du dir gar nicht leisten kannst.

Hast du gerade einen Preis ausgerechnet, bei dem du dir sicher bist, dass dafür niemand dein Produkt kaufen würde? Hier ist ein Trick: Wenn der Artikel zu hochpreisig für den Markt ist, ist es nicht der Preis, den du ändern musst, sondern der Entwurf oder wie du dein Werk produziert oder präsentierst. Werde kreativ und finde heraus, wie du dein Produkt anpassen und die Herstellungskosten reduzieren kannst. Könntest du vielleicht Material günstiger in großen Mengen einkaufen? Könntest du von deinem Produkt gleich mehrere auf einmal herstellen und so den Arbeitsaufwand für jedes einzelne Stück verringern? Nimm nicht den einfachen Weg, in dem du einfach deine Preise reduziert.

Merke: Die richtigen Preise sind die Basis für dein Unternehmensziel. 

Hausaufgaben!

1. Schau dir dieses Online Lab über die Grundlagen der Preisfindung unserer amerikanischen Kollegen an (auf Englisch).

Schau dir live Streaming-Videos von etsy auf livestream.com

2. Lade dir unser praktische Arbeitsheft Art of Pricing for Profit (Englisch) runter.

3. Arbeite dich durch den aufgezeichneten Art of Pricing for Profit Workshop (Englisch).

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Was sind deine Erfahrungen mit Preisfindung? Deine Tipps?
Berichte davon in den Kommentaren oder im deutschen Success Forum!

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  • KindOfBeautiful

    KindOfBeautiful from KindOfBeautiful sagt:

    ich bin neu bei etsy aber irgendwie kauft keiner was :(

    2 Jahre her

  • deczka

    deczka from deczka sagt:

    hm. der ansatz ist natürlich richtig, aber ich denke nicht dass das realistisch ist. gibt es studien/theorien dazu, wie der durchschnittliche stundenlohn von shopbesitzern ist? ich befürchte er liegt weit unter dem was ein angestellter designer verdient.

    2 Jahre her

  • hibiscusbloom

    Julia from hibiscusbloom sagt:

    @kindofbeautyful: Ja ich fühle mit dir, geht mir genauso! Ich frage mich, warum... Das ist nicht wirklich vielversprechend. Einige sehen meine listings aber niemand will sie haben :o @deczka: Ja, das stimmt auch. Wenn es nach Stundenlohn ginge, dann müsste man sich auch fragen, was momentan (auch gerade in Deutschland) so gezahlt wird. Wenn man sich vorstellt, dass ein Student an der Uni 4mal mehr verdient als in einem Büro, in dem er genau das macht, was er studiert und das Büro aus seiner Arbeit auch noch richtig Gewinn ziehen kann, dann kann man die Preiskalkulation hier auch vergessen. Momentan habe ich den Eindruck, dass auch gerade in Deutschland, niemand mehr das bekommt, was er wert ist bzw verdienen müsste.

    2 Jahre her

  • thelostcreativity

    Virginia Huebscher from thelostcreativity sagt:

    da kann man rechnen wie man will und sich fragen, wohin man will mit dem shop. die war verkauft sich leider nicht so einfach. das ist alles theorie. ausserdem geht man in der masse unter bei etsy, auch wenn man werbung macht mit diesen Listen. etsy gibt immer an mit shop, die so erfolgreich sind. na klar, wenn man die immer wieder überall in blogeinträge und promo-mails mit drauf nimmt, wär das bei meinem shop auf einmal auch eine erfolgsstory......

    2 Jahre her